Historische Persönlichkeiten
König Friedrich Wilhelm I. in Preußen, der „Soldatenkönig“

König Friedrich Wilhelm I. in Preussen, der „Soldatenkönig“ (1688/1713-1740)

Michael Autengruber

Friedrich Wilhelm wurde am 14. August 1688 im Schloss zu Berlin-Cölln, als zweiter Sohn Kurfürst Friedrichs III. von Brandenburg geboren. Sein älterer Bruder Friedrich August (1685–1886) war bereits vor seiner Geburt gestorben, so dass Friedrich Wilhelm von Geburt an Kurprinz in Brandenburg war. 

Früh kam es zu Spannungen zwischen den Eltern über seine Erziehung. Zwischen 1689 und 1692 wuchs er am hannoverschen Hof seiner Großeltern Herzog Ernst August und Herzogin Sophie zu Braunschweig-Lüneburg, Gräfin von der Pfalz (1630–1714) auf. Dort zeigte er bereits ein impulsives Temperament und einen Hang zu Konflikten, unter anderem mit seinem Cousin Georg August, dem späteren König Georg II. von Großbritannien und Irland und Kurfürst von Hannover (1683–1760, reg. seit 1727), der zu einem zeitlebens ausgetragenen Konflikt und persönlicher Rivalität beider Männer beitrug. 

Nach seiner Rückkehr wurde er ab 1692 durch die Hugenottin Marthe de Montbail der späteren Madame de Roucoulle (1659–1741) erzogen, wodurch Französisch seine Alltagssprache wurde. Gleichzeitig prägten ihn früh eine Abneigung gegen den höfischen Prunk seines Elternhauses, sowie ein starkes Interesse an praktischen Staats- und Militärfragen.


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Antoine Pesne (Werkstatt): König Friedrich Wilhelm I. in Preußen, Gemälde nach 1733.

Seine Erziehung wurde ab 1695 neu organisiert und verband pietistische sowie rationalistische Elemente. Trotz eines breiten Bildungskanons zeigte Friedrich Wilhelm wenig Neigung zu den Wissenschaften, entwickelte jedoch früh praktisches Interesse an Staats- und Militärfragen sowie einen ausgeprägten Sinn für Sparsamkeit. 

Mit der Übertragung des Guts Wusterhausen im Jahre 1698 erhielt er im Alter von nur zehn Jahren Gelegenheit zur eigenständigen Verwaltung, was seine ökonomischen und administrativen Fähigkeiten prägte. Zugleich wandte er sich zunehmend militärischen Belangen zu und sammelte früh organisatorische Erfahrungen. 

Durch Reisen, insbesondere in die Niederlande, gewann er Eindrücke einer bürgerlich–reformierten Kultur. Seit 1702 wurde er schrittweise in die Regierung eingebunden und erwarb umfassende Kenntnisse in Verwaltungs- und Heeresfragen, wobei er auch seine kritische Haltung gegenüber der Hofhaltung und der Politik seines Vaters vertiefte. 

Friedrich Wilhelm I. wurde 1704 im Alter von 16 Jahren für volljährig erklärt und baute das Gut Wusterhausen zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Musterbetrieb aus, der ihm als Modell effizienter staatlicher Verwaltung diente. Die dort gewonnenen praktischen Erfahrungen prägten sein späteres Regierungsverständnis nachhaltig. Reisen in die Niederlande vertieften seine puritanischbürgerliche Orientierung und beeinflussten seinen politischen wie kulturellen Geschmack. Am 14. Juni 1706 heiratete er in Cölln an der Spree seine Cousine Prinzessin Sophie Dorothea von Hannover (1687–1757), Tochter Kurfürst Georg Ludwigs von Hannover, ab 1714 auch König von Großbritannien und Irland. 

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) sammelte er prägende militärische Erfahrungen und knüpfte enge Beziehungen zu Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, dem Alten Dessauer (1676–1747, reg. seit 1693). Seit 1708 übernahm er wiederholt stellvertretend Regierungsaufgaben und griff 1710 aktiv in die Politik ein, indem er zur Aufdeckung der Miss- und Korruptionswirtschaft des sog. Drei-Grafen-Kabinetts beitrug. Die Erfahrung außenpolitischer Ohnmacht, insbesondere 1711 im Großen Nordischen Krieg zwischen Russland und Schweden, bestärkte ihn im Ziel militärischer Eigenständigkeit. Zugleich gewann der Hallesche Pietismus des Geistlichen August Hermann Francke (1663–1727) zeitweise entscheidenden Einfluss auf sein Denken. 

Nach dem Tod Friedrich I. am 25. Februar 1713 trat er die Regierung an, verzichtete auf eine Krönung und leitete einen grundlegenden Kurswechsel ein. Hof und Ausgaben wurden drastisch reduziert, die königliche Privatkasse gesichert und die Hofhaltung eingeschränkt. Friedrich Wilhelm verstand sich als Arbeitsmonarch, regierte persönlich aus dem Kabinett und traf Entscheidungen meist in Form knapper Kabinettsordres. Zentrale Maßnahmen waren die Neuordnung der Finanzen, die strikte Reduktion der Hofkosten und die Konzentration auf ein leistungsfähiges Heer. Verwaltung und Behörden wurden gestrafft, das Generaldirektorium (1722) als zentrale Finanz- und Verwaltungsinstanz etabliert und damit die Grundlage eines zentralisierten Beamtenstaates geschaffen. Zugleich wuchs Berlin unter seiner Herrschaft erheblich. 

Seine Wirtschaftspolitik folgte merkantilistischen Prinzipien und zielte auf die Förderung inländischer Produktion sowie die Begrenzung des Kapitalabflusses. Landwirtschaft und Infrastruktur wurden ausgebaut, während seine Einwanderungspolitik – etwa die Ansiedlung der 20.000 Salzburger Exulanten 1732 – der Bevölkerungs- und Arbeitskräftesicherung diente. Die Wissenschaftspolitik war stark utilitaristisch ausgerichtet: Gefördert wurden vor allem praxisnahe Disziplinen, etwa in Form früher Lehrstühle für Kameralwissenschaften. Kritische Gelehrte wie Christian Wolff (1679–1754) und Johann Jacob Moser (1701–1885) gerieten unter politischen Druck und verließen das Land. 

Parallel entwickelte sich Preußen zu einem Zentrum fortschrittlicher Medizin, insbesondere durch die schon 1709 gegründete Charité. Mit der Verordnung vom 28. September 1717 führte Friedrich Wilhelm I. eine allgemeine Schulpflicht auf den königlichen Domänen ein, die trotz anfänglicher Umsetzungsprobleme langfristig zu einer Verbesserung des Bildungsniveaus beitrug. 

Religionspolitisch verband der König calvinistische Überzeugungen mit der Förderung des lutherischen Pietismus, der Verwaltung, Militär und Bildungswesen prägte. Zugleich verfolgte er eine vergleichsweise tolerante Praxis gegenüber verschiedenen Konfessionen, während die Politik gegenüber Juden restriktiv blieb. Sozialpolitische Maßnahmen, etwa die Gründung des Militärwaisenhauses in Potsdam, standen im Zusammenhang mit seinem religiös geprägten Staatsverständnis; Reformen wie die Abschaffung der Leibeigenschaft blieben hingegen weitgehend wirkungslos. 

Militärisch prägte Friedrich Wilhelm I. Preußen nachhaltig: Zwischen 1713 und 1740 verdoppelte er die Truppenstärke auf über 80.000 Mann und machte den Staat zu einer führenden Militärmacht Europas. Mit dem 1733 eingeführten Kantonsystem und einem geschlossenen adligen Offizierskorps schuf er eine stabile militärisch-soziale Ordnung. Effizienz und Disziplin standen im Zentrum, während Sonderphänomene wie die Langen Kerls auch persönliche Vorlieben widerspiegelten. 

Insgesamt schuf Friedrich Wilhelm I. ein leistungsfähiges, straff organisiertes Militärwesen, das zur zentralen Stütze des preußischen Staates wurde und dessen Aufstieg zur europäischen Großmacht vorbereitete. 

Außenpolitisch hielt er zunächst an der Neutralität fest, beteiligte sich jedoch später am Großen Nordischen Krieg und gewann im Frieden von Stockholm vom 21. Januar 1720 unter anderem Stettin. Insgesamt blieb seine Politik defensiv und auf Stabilität sowie ökonomische Rationalität ausgerichtet; koloniale Ambitionen gab er zugunsten innerer Konsolidierung auf.

Das Verhältnis zwischen Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Kronprinz Friedrich, dem späteren Friedrich II. (1712–1786, reg. ab1740), eskalierte schließlich 1730 im Kontext dynastischer Heiratspläne. Der Kronprinz versuchte gemeinsam mit seinem Jugendfreund Hans Hermann von Katte (1704–1730) aus Preußen zu fliehen, wurde jedoch im Militärlager nahe Steinfurt gefasst und in der Festung Küstrin inhaftiert. Der König schlug das Gnadengesuch von Kattes Vater aus und ließ dessen Sohn hinrichten. Entgegen der preußischen Geschichtsschreibung zwang Friedrich Wilhelm I. den Kronprinzen nicht zur persönlichen Teilnahme an der Exekution, sondern ließ ihn lediglich informieren, was bei Friedrich dennoch einen nachvollziehbaren nervlichen Zusammenbruch zur Folge hatte. 

Der Konflikt beruhte auf grundlegenden Erziehungs- und Wertunterschieden zwischen militärisch-disziplinärer Staatsauffassung und den künstlerisch-intellektuellen Interessen des Kronprinzen. Trotz späterer teilweiser Aussöhnung blieb das Verhältnis dauerhaft belastet; Friedrich wurde schließlich der Rückzug nach Schloss Rheinsberg gestattet, wo er eigenständige Studien aufnehmen konnte. 

Mit zunehmendem Alter litt Friedrich Wilhelm I., seinem ungesunden Lebensstil und seiner Ernährung geschuldet, an Gicht- und Podagra-Anfällen und musste sich immer häufiger im Rollstuhl fortbewegen. Am 31. Mai 1740 verstarb der König im Alter von 52 Jahren an Herzinsuffizienz. Die Beisetzung erfolgte am 4. Juni in der Gruft des Königlichen Monuments der Garnisonkirche zu Potsdam. Den Sarkophag aus schwarzem, poliertem Kalkstein, hatte er bereits zu Lebzeiten in Auftrag gegeben.

Nachdem sein Sarg 1943 vor der heranrückenden Roten Armee in einem Salzstock des Bergwerks in Bernterode versteckt wurde, überführte man ihn 1945 zunächst in die Elisabethkirche zu Marburg, und von dort 1952 in die evangelische Christuskapelle auf der Burg Hohenzollern bei Hechingen in Baden-Württemberg. Am 17. August 1991 wurde sein Sarg und der seines Sohnes schließlich in das Kaiser- Friedrich-Mausoleum bei der Friedenskirche im Park von Sanssouci überführt. 

Friedrich Wilhelm I. vereinte in seiner Person widersprüchliche Eigenschaften: autoritären Militarismus und religiöse Strenge mit pragmatischer Staatsräson und punktueller Fürsorge. Sein Regierungsstil war von Disziplin, Sparsamkeit und Ablehnung höfischer Kultur geprägt, während Bildung und Gelehrsamkeit eine untergeordnete Rolle spielten. Insgesamt zielte sein Handeln auf die Stärkung von Staat, Finanzen und Armee. Am Ende seiner Regierungszeit hinterließ Friedrich Wilhelm I. einen konsolidierten, finanziell stabilisierten Staat mit stark ausgebautem Heereswesen, wobei rund 85 % des Staatshaushalts militärischen Zwecken dienten.

Literatur: 

  • Baumgart, Peter: Friedrich Wilhelm I. (1713–1740). 2., aktualisierte und erweiterte Auflage., München 2009. 
  • Beck, Friedrich, Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der Soldatenkönig. Friedrich Wilhelm I. in seiner Zeit. Potsdam 2003. 
  • Göse, Frank: Friedrich Wilhelm I. Die vielen Gesichter des Soldatenkönigs. Darmstadt 2020. 
  • Kathe, Heinz: Der Soldatenkönig. Friedrich Wilhelm I. 1688–1740. König in Preußen. Köln 1981. 
  • Ohff, Heinz: Preußens Könige. Ein Leben zwischen Hoffnung und Revolution. München / Berlin / Zürich 2016, S. 43–84. 
  • Venohr, Wolfgang: Friedrich Wilhelm I. Preußens Soldatenkönig. 2., überarbeitete Neuauflage, München 2001. 
  • Verschiedene Seiten von de.wikipedia en.wikipedia und fr.wikipedia.
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