Historische Persönlichkeiten
König Friedrich Wilhelm II. von Preußen

König Friedrich Wilhelm II. von Preußen (1744/1786-1797)

Michael Autengruber

Friedrich Wilhelm II. wurde am 25. September 1744 im Berliner Kronprinzenpalais als ältester Sohn des Prinzen von Preußen und preußischen Thronfolgers August Wilhelm (1722–1758) und dessen Frau Prinzessin Luise Amalie von Braunschweig-Bevern (1722–1780) geboren. 

August Wilhelm war der jüngere Bruder König Friedrichs II. 1747 übernahm der König für seinen dreijährigen Neffen die Erziehung und Ausbildung. Im Berliner Schloss ließ er ihn im Sinne aufklärerischer Ideale ausbilden. Das Kind wurde dabei wie ein Miniaturerwachsener behandelt; kindgerechte Pädagogik nach heutigen Maßstäben spielte kaum eine Rolle. Ein Mathematiker wurde früh als Hauslehrer eingesetzt, da logisches Denken als Grundlage der Vernunft galt. 

Die Erziehung übernahm der Schweizer Nicolas de Béguelin (1714–1789). Der Tagesablauf war streng geregelt: Sprachunterricht, höfische Sozialisation, schriftliches Lernen und kontrolliertes Spiel. Der Prinz wurde früh in das Hofleben eingebunden. Friedrich II. forderte zusätzlich demonstratives Selbstbewusstsein; Disziplin wurde teils durch Strafen durchgesetzt.


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Anton Graff: König Friedrich Wilhelm II., Gemälde 1787. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)

Der Unterricht umfasste als zentrale Fächer Mathematik, Jura, Philosophie und Geschichte, sowie praktische und körperliche Ausbildung, jedoch ohne klare Vorbereitung auf seine künftige Regierungstätigkeit. 

1751 übernahm Major Heinrich Adrian Graf von Borcke (1715–1788) als Oberhofmeister die militärische Erziehung, welche von strenger Disziplin und körperlicher Züchtigung geprägt war, die jedoch vom König gebilligt wurde. Ziel war die Überwindung der Schüchternheit durch konsequente Härte. 

Die Jugend Friedrich Wilhelms fiel in die Zeit des Siebenjährigen Krieges und war von dessen Krisen und Unsicherheiten geprägt. Das Verhältnis seines Vaters zu seinem älteren Bruder, dem König, litt durch einige militärische Fehlentscheidungen des Thronfolgers nachhaltig. 1757 wurde Prinz August Wilhelm aus der Armee entlassen und zog sich nach Schloss Oranienburg zurück, wo er bald darauf verstarb. Nach dem Tod des Vaters wurde Friedrich Wilhelm 1758 im Winterlager in Torgau als preußischer Thronfolger bestätigt und zum Prinzen von Preußen ernannt. Der Hof war kriegsbedingt häufig auf der Flucht, der weitere Unterricht stark eingeschränkt.

In der Endphase des Krieges nahm er an militärischen Einsätzen teil und wurde für seine Tapferkeit gelobt, während das Verhältnis zum König bereits erste Risse zeigte und merklich abkühlte. Preußen behauptete sich im Frieden von Hubertusburg zwar als Großmacht, erlitt jedoch erhebliche demographische und wirtschaftliche Verluste. 

Auf Weisung des Königs wurde Friedrich Wilhelm am 14. Juli 1765 mit seiner Cousine Prinzessin Elisabeth von Braunschweig-Wolfenbüttel (1746–1840) verheiratet, von der er auf Grund des beiderseitigen Ehebruchs jedoch schon im April 1769 wieder geschieden wurde. Kurz darauf ehelichte er Prinzessin Friederike Luise von Hessen-Darmstadt (1751–1805). Am 3. August 1770 kam ihr ältester Sohn Friedrich Wilhelm, der spätere König Friedrich Wilhelm III. in Potsdam zur Welt. Es folgten noch sechs weitere Kinder. Im Mai 1787 ging der König seine erste morganatische Ehe mit Julie von Voß (1766–1789) ein, die er im November des gleichen Jahres zur Gräfin Ingelheim erhob. 

Nach deren frühen Tod an Lungentuberkulose ging er am 11. April 1790 mit Sophie Gräfin von Dönhoff (1768–1834) eine zweite morganatische Ehe ein. 1792 trennte er sich jedoch von der herrschsüchtigen Dönhoff. Daneben pflegte er auch Beziehungen zu zahlreichen weiteren Frauen, vor allem zu seiner lebenslangen Freundin und Vertrauten Wilhelmine Enke (1752-1820), die er 1769 zu seiner offiziellen Mätresse machte und die er am 28. April 1796 zur Gräfin von Lichtenau erhob.

Friedrich II. versuchte seinen Thronfolger wiederholt öffentlich zu diskreditieren, etwa durch die Bevorzugung anderer Verwandter. In der Forschung wird dies teils als Strategie zur Selbstaufwertung interpretiert. 

Beide unterschieden sich deutlich: Während Friedrich II. ein rationalistisches, elitäres und frankophiles Ideal vertrat, orientierte sich Friedrich Wilhelm stärker an bürgerlichen, religiösen und repräsentativen Lebensformen. Auch kulturell und weltanschaulich traten klare Gegensätze hervor. 

Die Distanz zeigte sich zudem in eingeschränkten Lebensverhältnissen des Kronprinzens und seiner bewussten Ausgrenzung aus politischen Entscheidungsprozessen. Trotz umfassender Bildung blieb ihm praktische Regierungserfahrung weitgehend verwehrt; zugelassen war lediglich die Teilnahme an Gerichtssitzungen. Demgegenüber verstand sich Friedrich II. als autokratischer erster Diener des Staates, der Regierungstätigkeit zentralisierte und kaum delegierte. 

Nachdem Friedrich II. am 17. August 1786 auf Schloss Sanssouci gestorben war, bestieg sein Neffe den Thron unter dem Namen Friedrich Wilhelm II. Mit seinem Regierungsantritt verbanden sich zunächst hohe Erwartungen. Politisch und kulturell markierte er einen deutlichen Bruch: Die Residenz wurde nach Berlin verlegt, das Hofleben intensiviert und populäre Maßnahmen wie Steuererleichterungen eingeführt, die jedoch durch neue Abgaben relativiert wurden. 

Friedrich Wilhelm II. führte die Kabinettspolitik seines Vorgängers fort. Trotz fehlender politischer Vorbereitungszeit war er der letzte preußische Herrscher, der intellektuell in der Lage war, die arbeitsseitig vorbereiteten Entscheidungsvorlagen seiner Minister und Kabinettsräte zu erfassen und zu verantworten. Zugleich blieb die überalterte Verwaltungs- und Militärstruktur weitgehend unverändert, was langfristig die Handlungsfähigkeit des Staates beeinträchtigen sollte. Im 18. Jahrhundert galt Außenpolitik als zentrales Herrschaftsfeld; entsprechend war Friedrich Wilhelm II. hier vergleichsweise gut vorbereitet. Nach 1786 stand Preußen jedoch außenpolitisch isoliert da, was eine aktive Bündnispolitik erforderlich machte. 

Zunächst verfolgte der König eine vorsichtige Vermittlungsstrategie, griff jedoch 1787 nach einem diplomatischen Konflikt militärisch in den niederländischen Generalstaaten ein und stellte dort die bestehende Ordnung wieder her. Dieser Erfolg blieb außenpolitisch begrenzt. 

Unter dem Einfluss seines Staats- und Kabinettsministers Graf Ewald Friedrich von Hertzberg (1725–1795) hielt Preußen zunächst an der Rivalität mit Österreich fest, näherte sich aber ab 1790 aus machtpolitischen Gründen wieder an. Die Französische Revolution führte zur Beteiligung am Ersten Koalitionskrieg ab 1792, der nach militärischen Rückschlägen und finanzieller Überlastung mit dem Separatfrieden von Basel vom 5. April 1795 beendet wurde.

Parallel verlagerte Friedrich Wilhelm II. seinen Schwerpunkt nach Osten und beteiligte sich an der Zweiten und Dritten Teilung Polens von 1793 und 1795, wodurch Preußen sehr erhebliche Gebietsgewinne erzielte und seine Großmachtstellung territorial ausbaute. Allerdings hatte die Situation des Zweifrontenkrieges in den Jahren von 1793 bis 1795 Preußen an den Rand des Bankrotts getrieben. Hatte Friedrich II. seinem Nachfolger noch einen Staatsschatz von 51 Millionen Talern hinterlassen, beliefen sich die Schulden im Todesjahr seines Neffen auf 48 Millionen Taler. 

Mit zunehmendem Alter litt der König an Aszites (Bauchwassersucht), Dysponesis (chronischer Muskelanspannung) und an Gicht. Nachdem er Anfang Oktober 1797 dem Berliner Hofleben den Rücken gekehrt und sich in das Marmorpalais bei Potsdam zurückgezogen hatte, verstarb er dort am 16. November 1797, morgens um 8:58 Uhr im Alter von 53 Jahren im boisierten Schreibkabinett während eines Krampfanfalls. Die Beisetzung des verstorbenen Königs erfolgte am 11. Dezember 1797 in der Gruft des Berliner Doms. 

Die Bewertung Friedrich Wilhelms II. ist ambivalent. Seine Regierungszeit fiel in eine Epoche tiefgreifender Umbrüche, insbesondere durch Aufklärung und Französische Revolution, denen er als Vertreter des Ancien Régime nur begrenzt gewachsen war. Reformen blieben weitgehend aus; zugleich setzte er 1794 das Allgemeine Landrecht in Kraft und erließ ein Religionsedikt, das die religiöse Toleranz stärkte. Außenpolitisch erzielte er durch die polnischen Teilungen die umfangreichsten Gebietsgewinne der gesamten preußischen Geschichte. Das negative Nachbild wurde teilweise bereits von seinem Vorgänger Friedrich II. geprägt und im 19. Jahrhundert verstärkt, wobei insbesondere Hofleben und Mätressenwesen überzeichnet wurden. Viele dieser Aspekte entsprachen jedoch zeitgenössischen Normen. Insgesamt blieb Friedrich Wilhelm II. weit im Schatten seines Vorgängers und wurde schon zu Lebzeiten sehr kritisch beurteilt.

Literatur: 

  • Bissing, Wilhelm Moritz Freiherr von: Friedrich Wilhelm II. König von Preußen. Ein Lebensbild. Berlin 1967. 
  • Bringmann, Wilhelm: Preußen unter Friedrich Wilhelm II. (1786–1797). Frankfurt am Main u. a. 2001. 
  • Hagemann, Alfred: Wilhelmine von Lichtenau (1753–1820). Von der Mätresse zur Mäzenin. Köln 2007. 
  • Meier, Brigitte: Friedrich Wilhelm II. König von Preußen. Ein Leben zwischen Rokoko und Revolution. Regensburg 2007. 
  • Müller, Michael G.: Die Teilungen Polens 1772, 1793, 1795. München 1984. 
  • Verschiedene Seiten von de.wikipedia, en.wikipedia, fr.wikipedia und pl.wikipedia.
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