Für einen Biographen stellt es kein leichtes Unterfangen dar, die Persönlichkeit König Friedrich Wilhelms III. zu charakterisieren, sofern man nicht den vielfach verbreiteten stereotypen Be- und Verurteilungen seiner Person folgen möchte. Um dieser historischen Figur gerecht zu werden, bedarf es eines anderen historiographischen Zugangs und geweiteten Blickes.
Heute erscheint es sinnvoll, auch psychologische und soziologische Perspektiven einzubeziehen, die von prägenden Erfahrungen der Kindheit und Jugend ausgehen, um auf dieser Grundlage ein differenzierteres Persönlichkeitsbild entwerfen zu können. Ein solcher Ansatz eröffnet die Möglichkeit, individuelle Dispositionen und Handlungsmuster besser zu verstehen und in ihrem historischen Kontext einzuordnen. Genau dieser Zugang soll im Folgenden versucht werden.
Friedrich Wilhelm III. wurde am 3. August 1770 im sogenannten Kabinettshaus am Neuen Markt in Potsdam geboren. Das als eine Art Kronprinzenpalais genutzte Gebäude lag nur wenige Gehminuten vom Potsdamer Schloss entfernt. Da seine Eltern Friedrich Wilhelm (II.) und Friederike Luise als Thronfolgerpaar eines Tages den Thron von seinem Großonkel König Friedrich II. erben sollten, stand der Prinz an dritter Stelle der Thronfolge. Seinen Großonkel Friedrich hat der Prinz als Zeitgenosse erlebt und zu diesem, anders als sein Vater oder Großvater, ein sehr gutes persönliches Verhältnis gepflegt.
Zunächst lebte er in Potsdam, im Haushalt seiner Eltern. Im Gegensatz zu seinem Großonkel, entwickelte Friedrich Wilhelm ein distanziertes Verhältnis zu seinen Eltern ohne enge Bindung, was nicht zuletzt auf deren häufige Abwesenheit vom Hof zurückgeführt wird. In seinen ersten Lebensjahren wurde er daher vor allem von Kinderfrauen und Gouvernanten betreut.
Edward Francis Cunningham: Prinz Friedrich Wilhelm (III.) von Preußen, Pastell 1785. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
Anton Graff: König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, Gemälde 1787. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
Anton Graff: Königin Friederike Luise von Preußen, Gemälde 1787. Quelle: Stiftung Berliner Stadtmuseum
Zeitgenössische Berichte deuten darauf hin, dass der junge Prinz insbesondere zu seinen Kinderfrauen und später auch zu einzelnen Hauslehrern ein deutlich engeres persönliches Verhältnis entwickelte als zu seinen Eltern. Diese Beziehungen waren häufig von großem Vertrauen geprägt und gingen zugleich mit einer gewissen Scheu gegenüber dem höfischen Leben einher. Solche frühen Bindungen an Erzieher und Betreuungspersonen können teilweise seine später häufig hervorgehobene Schüchternheit und Vorsicht erklären, sowie seine ausgeprägte Orientierung an moralischen Normen und Verhaltensregeln.
Im Jahr 1773 begann seine planmäßig organisierte Erziehung zu einem Prinzen von Geblüt und künftigen preußischen König. Von diesem Zeitpunkt an verfügte er über einen eigenen Hofstaat, mit dem er im Winter im Berliner Schloss und im Sommer in Schloss Potsdam residierte. Unter der Leitung des Hofmeisters Johann Heinrich Ludwig Behnisch (1730-1790), eines preußischen Hofbeamten, der die Gesamtverantwortung für seine Erziehung trug – einschließlich der schulischen, religiösen und militärischen Ausbildung – wurde er systematisch auf seine künftige Regentschaft vorbereitet.
Bildunterschriften v.l.n.r.:
- Edward Francis Cunningham: Prinz Friedrich Wilhelm (III.) von Preußen, Pastell 1785. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
- Anton Graff: König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, Gemälde 1787. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
- Anton Graff: Königin Friederike Luise von Preußen, Gemälde 1787. Quelle: Stiftung Berliner Stadtmuseum
Ab 1781 folgte ihm der Theologe und Pädagoge Friedrich Delbrück (1768–1830). Delbrück galt als entschiedener Vertreter des aufklärerischen Erziehungskonzepts des Philanthropismus und prägte die weitere Ausgestaltung der prinzlichen Erziehung in diesem Sinne. Bereits seit etwa 1778 nahm Oberst Karl August von Backhoff (1720–1807), Kommandeur des Kürassierregiments Nr. 2 (KR 2), die Funktion des leitenden militärischen Gouverneurs wahr und unterrichtete den Prinzen insbesondere in Strategie und Taktik.
Bildunterschriften v.l.n.r.:
- Johann Heinrich Schröder: Friedrich Delbrück, Pastell 1810. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
- Unbekannter Künstler: Carl August von Backhoff, Stich um 1795. Quelle: Gleimhaus Halberstadt; Bilddatei: glca-1387; Aufn.-Datum: 2012
Zu den wichtigsten Hauslehrern und Erziehern Friedrich Wilhelms zählte Johann Jakob Engel (1741–1802), Professor an der Berliner Akademie, Schriftsteller und Vertreter der Aufklärung. Er erteilte Unterricht in Philosophie, Morallehre, Literatur und Staatslehre und trug damit wesentlich zur intellektuellen Bildung des Prinzen bei. Für die Vermittlung der religiösen Bildung, insbesondere der protestantischen Ethik sowie der damit verbundenen Vorstellungen staatsbürgerlicher Verantwortung, war der reformierte Geistliche Johann Friedrich Zöllner (1753–1804) zuständig. Im Zusammenhang mit der religiösen Ausbildung des Kronprinzen werden die reformierten Theologen Johann Joachim Spalding (1714–1804), Konsistorialrat und Propst an der Berliner Nikolaikirche sowie August Friedrich Wilhelm Sack (1703–1786) genannt. Sack war ein bekannter Kanzelredner, Philosoph und Schriftsteller, der Friedrich Wilhelm im Jahr 1786 konfirmierte.
Die militärische Ausbildung lag in den Händen von Gouverneuren aus den Reihen der preußischen Garde. Darüber hinaus erhielt der Prinz Sprachunterricht durch verschiedene Hauslehrer in Französisch (ab 1779), der Sprache der europäischen Höfe, sowie in Deutsch, Rhetorik und Latein. Sein Bildungsprogramm umfasste auch Fächer wie Geschichte (ab 1778) und Staatskunde (ab 1783), in denen sowohl die Geschichte Preußens und der europäischen Dynastien als auch die Grundlagen staatlicher Verwaltung und der politischen Geographie Europas vermittelt wurden.
Sein Ausbildungsprogramm umfasste die Lehre der allgemeinen Geographie, der Kartographie und der Mineralogie sowie Mathematik und Geometrie. Friedrich Wilhelm wurden die Grundlagen des Festungsbaus und der militärischen Vermessungskunde vermittelt, ebenso Kenntnisse in Physik, Naturkunde und Landwirtschaft. Diese breit angelegte, deutlich von aufklärerischen Leitvorstellungen geprägte Allgemeinbildung trug später zur Duldungspolitik König Friedrich Wilhelms III. im Zusammenhang mit der Durchführung der Stein-Hardenbergschen Staats- und Gesellschaftsreformen bei, zu denen unter anderem auch die Emanzipation der Juden durch das Edikt betreffend die bürgerlichen Verhältnisse der Juden in dem Preußischen Staate vom 11. März 1812 gehören sollte.
Die gesamte Ausbildung Friedrich Wilhelms orientierte sich an mehreren grundlegenden Leitideen: Eine strenge Lebensmoral und Religiosität reformierter Prägung, verbunden mit der Ausübung eines bescheidenen Lebensstils, einem ausgeprägten Pflichtbewusstsein gegenüber Staat, Armee und Volk, einer von der Aufklärung beeinflussten Bildung sowie militärische Disziplin im Sinne der preußischen Militärtradition. Im Alter von etwa sechs Jahren trat er im Jahr 1776 in die preußische Armee ein, wurde zum Fähnrich ernannt und dem ersten Bataillon Leibgarde (IR 15) unterstellt. Er durfte von nun an die Uniform des Regiments tragen und erhielt den Schwarzen Adlerorden, dem er durch Geburt als Ritter angehörte.
Seine militärische Ausbildung war sowohl von theoretischer als auch praktischer Natur. Im theoretischen Bereich erhielt er eine grundlegende Schulung sowie Einführungen in Militärstrategie, Taktik und Militärgeschichte. Die praktische Ausbildung umfasste militärische Übungen und wurde teilweise von Unteroffizieren des Garderegiments durchgeführt. Zu ihren Bestandteilen gehörten das Exerzieren und der militärische Drill, Reiten und der Umgang mit Pferden (ab 1780), das Fechten sowie die Handhabung verschiedener Waffen.
Nach dem Tod seines Großonkels Friedrichs II. 1786, bestieg sein Vater den preußischen Thron. Von diesem Zeitpunkt an führte er den Titel eines Kronprinzen und wurde in stärkerem Maße in das Hofleben, in staatliche Angelegenheiten sowie in Hofreisen und diplomatische Kontakte eingebunden.
Nach dem Ende seiner militärischen Grundausbildung 1787, begann seine eigenständige militärische Laufbahn. Im Alter von 18 Jahren wurde er 1788 zum Major im preußischen Kürassierregiment Gensdames (KR 10) befördert. Dieses Regiment gehörte zur schweren Kavallerie der preußischen Armee und zählte zu den prestigeträchtigsten Regimentern, mit enger Bindung an den Hof. Es wurde sowohl für repräsentative Aufgaben als auch als schwere Stoßkavallerie eingesetzt. Für den Kronprinzen besaß die Zugehörigkeit zu diesem Regiment daher nicht nur militärische, sondern auch eine standespolitische Bedeutung.
Bildunterschriften v.l.n.r.:
- Anton Graff: Johann Jakob Engel, Gemälde 1773.
- Friederike Julie Lisiewska: Johann Friedrich Zöllner, Foto nach dem heute verschollenen Gemälde von 1707 aus dem Pfarrhaus der Berliner Marienkirche.
- Bernhard Rode: Johann Joachim Spalding, Gemälde 1762.
- Daniel Berger: August Friedrich Wilhelm Sack, Stich um 1780.
Nachdem im März 1792 zwischen Österreich und Preußen ein Defensivbündnis geschlossen wurde, erklärte Preußen dem revolutionären Frankreich kurz darauf den Krieg. Das war der Beginn einer Reihe sogenannter Koalitionskriege. Die preußischen Truppen rückten unter dem Oberbefehl des Generalfeldmarschalls und Herzogs von Braunschweig, Carl Wilhelm Ferdinand (1735–1806) gegen Frankreich ins Feld. Unter ihnen befand sich auch das Regiment Gensdarmes mit seinem Major, dem preußischen Kronprinzen.
Im Sommer überschritt die Koalitionsarmee den Rhein und drang nach Lothringen und in die Champagne vor. Der Vormarsch kam jedoch im September bei Valmy zum Stillstand, woraufhin sich die Truppen wieder aus Frankreich zurückzogen. Friedrich Wilhelm erlebte den Feldzug sowohl im Hauptquartier als auch bei militärischen Operationen und wurde auf diese Weise mit den praktischen Grundlagen der Kriegführung vertraut.
Bildunterschriften v.l.n.r.:
- Wilhelm Böttner: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, Gemälde 1799. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
- Wilhelm Böttner: Königin Luise von Preußen, Gemälde 1799. Quelle: Stiftung Hohenzollernscher Kunstbesitz (SPSG)
Der Kriegsschauplatz verlagerte sich in der Folgezeit vor allem an den Rhein sowie in die Österreichischen Niederlande. In diesem Zusammenhang kam es unter anderem zur Belagerung von Mainz im Jahr 1793, bei der eine Koalitionsarmee die von französischen Revolutionstruppen besetzte Stadt zurückeroberte. Auch während dieser Kampagnen diente der Kronprinz weiterhin im Feldheer und sammelte Erfahrungen in der praktischen Führung und Organisation militärischer Operationen.
Mit der außenpolitischen Neuorientierung Preußens nach Osten wurde zwischen Frankreich und Preußen am 5. April 1795 in Basel ein Separatfrieden geschlossen. Für Friedrich Wilhelm bildeten die Feldzüge der Jahre 1792 bis 1794 eine prägende Phase seiner militärischen Ausbildung. Er nahm an den Operationen teil und gewann praktische Einblicke in Strategie, Truppenführung und Logistik des Feldkrieges. Diese frühen Kriegserfahrungen beeinflussten sein späteres Verhältnis zum Militär und prägten seine vorsichtige und häufig zurückhaltende Haltung in militärpolitischen Fragen während seiner späteren Regierungszeit als König von Preußen.
Um auch den Einfluss seiner religiösen Prägung auf seine Entwicklung angemessen verstehen zu können, bedarf es zunächst einiger theologischer und dynastischer Vorbemerkungen. Seit dem 16. Jahrhundert bestanden innerhalb des Protestantismus zwei Konfessionen, die lutherische und die reformiert-calvinistische. Seit 1613 bekannten sich alle Kurfürsten und späteren preußischen Könige bis 1817 zu dieser Konfession.
Die Prinzessinnen und Prinzen des Hauses wurden nach dieser Konfession getauft, im Katechismus unterwiesen und in diesem Bekenntnis auch konfirmiert. Der Hof nahm ausschließlich am Gottesdienst der reformierten Berliner Hofkirche teil. Friedrich Wilhelm wurde in dieser Tradition erzogen.
Das Bibelstudium bildete einen festen Bestandteil seiner religiösen Unterweisung und konzentrierte sich insbesondere auf die Evangelien, die Psalmen sowie auf die alttestamentlichen Königsbücher. Die entsprechenden Texte hatte er nicht nur zu lesen, sondern sich auch inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie zu kommentieren.
Einen weiteren zentralen Schwerpunkt seiner religiösen Ausbildung bildete das regelmäßige Studium des reformierten Katechismus, wobei insbesondere die Zehn Gebote, das Glaubensbekenntnis, das Vaterunser sowie die christlichen Tugenden im Mittelpunkt standen.
Die Vermittlung der religiösen Grundwerte beruhte einerseits auf den zentralen Lehren der reformierten Konfession, war andererseits jedoch in Teilen auch von den Ideen der Aufklärung beeinflusst, sodass man durchaus von einem aufgeklärten reformierten Protestantismus sprechen kann, der eine Verbindung von Vernunft und Glauben anstrebte.
Ein zentraler Bestandteil dieser religiösen Unterweisung war ein ausgeprägtes persönliches Pflichtbewusstsein – Pflicht gegenüber Gott, gegenüber sich selbst sowie gegenüber den Untertanen. Diese charaktervolle Haltung gründete auf der religiösen Legitimation von Staat und Monarchie, die sich in der traditionellen Verbindung von Thron und Altar ausdrückte. Zugleich umfasste sie die praktischen moralischen Verpflichtungen eines christlichen Herrschers, insbesondere religiöse Selbstdisziplin und eine ausgeprägte Pflichtethik. In diesem Verständnis erschien Herrschaft als Gottesgnadentum.
Seine Ausbildung legte die wesentlichen Grundlagen für das später von seiner Umgebung wahrgenommene Persönlichkeitsbild. Dieses war einerseits durch Pflichtbewusstsein, Bescheidenheit und eine ausgeprägte Religiosität geprägt, andererseits jedoch auch durch Nüchternheit und ein eher trockenes Wesen, durch Zurückhaltung und Reserviertheit, bisweilen sogar durch eine gewisse Schüchternheit und Entscheidungsunsicherheit. Legendär war seine charakteristische Redeweise in deutscher Sprache, die er wohl zeitlebens nicht ganz beherrschte und die noch durchfärbt war vom heute nicht mehr gebräuchlichen Dialekt seiner Geburtsstadt Potsdam: Das Weglassen von Personalpronomina wurde später als Vorbild für die knappe Ausdrucksweise der preußischen Militärsprache, den sogenannten „Kasernenton“ angesehen. Dem gegenüber steht die erhaltene umfangreiche, in der Regel in französischer Sprache abgefasste Korrespondenz des Königs mit Familienangehörigen und Freunden.
Aus ihnen spricht ein gebildeter, vielfach interessierter, gar nicht hölzern wirkender Monarch. Der frankophile und französisch parlierende König gewann im persönlichen Gespräch und entfaltete einen Charme, der besonders von den Teilnehmern des Wiener Kongresses antizipiert wurde.
Einen weiteren deutlichen Einfluss auf die Entwicklung des Königs übte seine Ehe mit Herzogin Luise zu Mecklenburg (1776-1810) aus. Aus der Verbindung mit der Strelitzer Prinzessin gingen insgesamt zehn Kinder hervor wovon sieben das Erwachsenenalter erreichten. Zu ihnen zählten König Friedrich Wilhelm IV., Wilhelm I., dessen Nachfolger König später deutscher Kaiser, Charlotte, die spätere russische Kaiserin Alexandra Fjodorowna, Prinz Carl, Alexandrine, die einmal Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin werden sollte, Luise und Albrecht. Die Ehe der Partner war von ungewöhnlicher persönlicher Zuneigung, Offenheit und gegenseitigem Vertrauen geprägt. Beide führten ein vergleichsweise familienorientiertes Leben und verbrachten viel Zeit mit ihren Kindern, insbesondere mit dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dessen jüngerem Bruder Wilhelm.
Königin Luise war lutherischer Konfession. Ihre persönliche Frömmigkeit war stark gefühlsbetont und wurzelte sowohl in der lutherischen Abendmahlsfrömmigkeit als auch in einer lebendigen Tradition des Kirchenliedes. Ihre Briefe zeigen eine ausgeprägte Hinwendung zu Christus als Erlöserfigur, ein klassisches Motiv lutherischer Theologie. Gleichwohl passte sie sich am preußischen Hof den dort vorherrschenden reformierten Gegebenheiten an. Hinweise auf konfessionelle Spannungen oder demonstrative Abgrenzungen finden sich zwar nicht, war aber für den König ein wesentlicher Grund für seine spätere Kirchenreform, weil er bei Lebzeiten seiner Frau, niemals mit ihr zusammen das Abendmahl nehmen konnte.
Durch Luise kam Friedrich Wilhelm in unmittelbare Berührung mit lutherischen Glaubensinhalten, die teilweise in einem deutlichen Gegensatz zu seiner eigenen reformierten Prägung standen. Gerade in dieser Begegnung lässt sich jedoch auch seine religiöse Weiterentwicklung erkennen. Zwar hielt er in seiner persönlichen Glaubenswelt grundsätzlich an seiner reformierten Prägung fest, doch bezog er zunehmend auch lutherische Vorstellungen in sein religiöses Denken mit ein. Diese Entwicklung bildete eine wichtige Voraussetzung für den späteren Zusammenschluss der lutherischen und der reformierten Konfession zur Evangelischen Kirche in Preußen, der durch den Unionsaufruf König Friedrich Wilhelms III. vom 27. September 1817, sieben Jahre nach dem Tod der Königin, eingeleitet wurde. In der Folgezeit wurde ab 1821 die allgemeine Kirchenordnung nach persönlichen Wünschen des Königs abgeändert, welche die Hofkirchenordnung, Liturgie und die Abendmahlsordnung umfasste.
Insofern lässt sich durchaus feststellen, dass ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis und zur Interpretation seines Handelns als König in den prägenden Erfahrungen und Einflüssen seiner Kindheit und Jugend zu suchen sind.
Bildunterschriften:
Franz Krüger: König Friedrich Wilhelm III. in der
Paradeuniform des 1. Garde Regiments, im Hintergrund der Kreuzberg in Berlin,
Gemälde um 1830. Quelle: bpk / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Berlin-Brandenburg / Wolfgang Pfauder
Literatur:
- Bauer, Frank: König Friedrich Wilhelm III. von Preußen. Ein Monarch zwischen Beharren und Verändern. Kleine Reihe Geschichte der Befreiungskriege 1813–1815. Potsdam 2020.
- Gersdorff, Dagmar von: Königin Luise und Friedrich Wilhelm III. Eine Liebe in Preußen. Reinbek 2001.
- Gotthard, Axel: Friedrich Wilhelm III In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 42. Nordhausen 2021. Ohff, Heinz: Preußens Könige. München 1999. S. Stamm-Kuhlmann, Thomas: König in Preußens großer Zeit. Friedrich Wilhelm III., der Melancholiker auf dem Thron. Berlin 1992.
- Verschiedene Seiten von de.wikipedia en.wikipedia und fr.wikipedia.