Anders als bei seinem Vater, scheint eine Charakterisierung der Persönlichkeit König Friedrich Wilhelms IV. unter psychologischen und soziologischen Gesichtspunkten einfacher, da die Quellenlage durch Memoirenliteratur, erhaltene Korrespondenz sowie Selbstzeugnissen deutlich umfangreicher erhalten geblieben ist. Die dichte archivalische Überlieferung ermöglicht es, die Entwicklung seiner individuellen Dispositionen und Handlungsweisen präziser nachzuvollziehen und in ihren historischen Kontext einzuordnen.
Friedrich Wilhelm wurde am 15. Oktober 1795 im Kronprinzenpalais zu Berlin als ältester Sohn des künftigen Königs Friedrich Wilhelms III. und seiner Frau Luise geboren. In den ersten Lebensjahren bis 1799 lebte er im Wechsel zwischen dem Palais seiner Eltern in der Straße Unter den Linden, vor allem während der Karnevalssaison, Schloss Charlottenburg im Spätsommer sowie den Potsdamer Residenzen und seinem in der Stadt gelegenen, dortigen Schloss über Ostern und Sanssouci im Frühsommer. Die junge Familie pflegte dabei einen für den preußischen Hof ungewöhnlich familiären Lebensstil, der zwar sehr privilegiert, aber vergleichsweise wenig von höfischen Konventionen bestimmt war. Vor allem im Spätsommer konnte die Familie ihre Vorlieben im ländlichen Paretz, vor den Toren Potsdams im Havelland gelegen, ausleben. Hier gab sich das Königspaar als Gutsherr und -herrin, den Kindern blieb die Möglichkeit, sich in der Natur, beim Fischen oder Jagen auszutoben. Hier befanden sich auch die Nutzgärten, welche Friedrich Wilhelm und seine Geschwister bestellen mussten, um die Ernte an die einheimische Bevölkerung zu verkaufen.
Die frühe Erziehung erfolgte im unmittelbaren Umfeld der Eltern unter Betreuung durch Kinderfrauen und Gouvernanten. In dieser Phase entwickelte sich auch eine für diese Kreise atypisch enge Bindung an die Mutter.
Um 1799 wurden für den Kronprinzen und seinen zwei Jahre jüngeren Bruder Wilhelm getrennte Hofstaaten eingerichtet, die jedoch auf ausdrücklichen Wunsch der Königin faktisch als gemeinsamer Haushalt geführt wurden. Es ist daher zwischen der institutionellen Trennung der Hofstaaten und der praktischen Einheit der Erziehungsorganisation zu unterscheiden. Die Leitung lag bei dem Theologen und Pädagogen Friedrich Delbrück, der bis 1809 als Gouverneur und Oberhofmeister fungierte und bereits zuvor eine vergleichbare Rolle als Erzieher Friedrich Wilhelms III. innehatte. Delbrück war ein entschiedener Vertreter des philanthropischen Erziehungsideals der Aufklärung und prägte die weitere Ausbildung der Prinzen maßgeblich in diesem Sinne.
Bildunterschrift v.l.n.r.
Friedrich Georg Weitsch: König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise von Preußen im Park von Charlottenburg, Gemälde 1799.
Johann Heinrich Schröder: Kronprinzessin Luise mit ihrem ältesten Sohn Prinz Friedrich Wilhelm, Pastell 1796.
Zu den wichtigsten Lehrkräften zählten Johann Jakob Engel (1741-1802), der Unterricht in Philosophie, Morallehre, Literatur und Staatskunde erteilte und damit wesentlich zur intellektuellen Bildung beitrug. Für die militärische Ausbildung war Generalmajor Karl August von Backhoff (1720-1807) verantwortlich. Er hatte wie Delbrück bereits an der Erziehung des Vaters Friedrich Wilhelms mitgewirkt. Die Prinzen erhielten Unterricht in Französisch, Deutsch, Rhetorik und Latein. Das Curriculum umfasste darüber hinaus Geschichte und Staatskunde mit Schwerpunkten auf der preußischen und europäischen Dynastiegeschichte sowie der Vermittlung von Grundlagen staatlicher Verwaltung und politischer Geographie. Die religiöse und ethischstaatsbürgerliche Bildung wurde maßgeblich durch den reformierten Hofgeistlichen Friedrich Samuel Gottfried Sack (1738–1817) geprägt. Sack setzte sich in zahlreichen Schriften, insbesondere in einer einflussreichen Publikation von 1812, für eine Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche ein, die kurz nach seinem Tod im Zuge des Unionsaufrufs realisiert wurde. Kurz vor seinem Tod wurde er von Friedrich Wilhelm III. noch zum Bischof ernannt.
Bildunterschrift
Johann Heinrch Lips nach Johann Heinrich Schröder: Friedrich Samuel Gottfried Sack, Stich um 1795.
Nach der für Preußen verheerenden Niederlage in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806, besetzten französische Truppen Berlin: Am 27. Oktober zog Kaiser Napoleon als Sieger in die Stadt ein. Bereits am 17. Oktober floh Delbrück mit den Prinzen nach Königsberg, vereinte sich in Stettin mit der Königin, während König Friedrich Wilhelm III. erst am 9. Dezember in der Hauptstadt Preußens eintraf und gemeinsam ihre Flucht bis nach Memel fortsetzten, das am 7. Januar 1807 erreicht wurde. Infolge dieser Ereignisse kam es zu einer abrupten Unterbrechung des regulären Hoflebens. Zwischen 1807 und 1808 bestand ein provisorischer Hof in Memel. Nach der Übersiedelung des Hofs nach Königsberg, wo man aus Sicherheitsgründen bis Ende 1809 blieb, residierte das Königspaar in der kalten Jahreszeit im Königlichen Schloss und bezog während der Sommermonate das Haus auf den Huben, dem kleinen Sommerhaus eines Königsberger Bürgers. Nicht etwa, dass der preußische Adel seine Landschlösser dem Königspaar als standesgemäße Residenz angeboten hätte, doch bestand der König auf diese demonstrative Bescheidenheit, da er bei der Tilgung der gigantischen Kontributionszahlungen, die Frankreich Preußen auferlegte, mit gutem Beispiel vorangehen wollte und für seine Person keine Ausnahme machen wollte.
Bildunterschrift
Unbekannter Künstler: Ankunft Napoleons in Potsdam, am 24. Oktober 1806, Aquarell 1806.
Der Unterricht der Prinzen wurde durch diese Ereignisse zunächst unterbrochen und konnte nur in unregelmäßiger Form fortgeführt werden. Erst ab Ende 1807 setzte wieder eine kontinuierlichere Erziehung ein. Nach dem Zusammenbruch Preußens wurde die Ausbildung Friedrich Wilhelms zunehmend auf die Anforderungen einer künftigen Regierungsübernahme ausgerichtet. 1809 wurde auf Wunsch der Königin Luise der reformierte Theologe und Philosoph Jean Pierre Frédéric Ancillon (1767–1837), Staatsrat, Professor für Geschichte an der Allgemeinen Kriegsschule, Hofhistoriograph und Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, zum Gouverneur und Oberhofmeister der Prinzen ernannt.
Diese personelle Entscheidung sollte sich jedoch als Fehlbesetzung erweisen. Ancillon steht sicher für eine antiliberale, frömmelnde Erziehung des Heranwachsenden. Sie erklärt auch das Verhalten des Königs gegenüber der Revolution von 1848.
1810 wurde Major Carl von Clausewitz als militärischer Lehrer bestellt. Für den Kronprinzen verfasste er 1812 die Lehrschrift „Prinzipien des Krieges“, die als Grundlage des Unterrichts diente. Im selben Jahr beendete Clausewitz seine Lehrtätigkeit, um erneut in preußisch-russische Dienste zu treten und an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teilzunehmen. Von etwa 1816 bis 1823 wirkte Generalleutnant Georg Dubislav Ludwig von Pirch (1763–1838) als Militärgouverneur des Kronprinzen. Der Tod seiner Mutter, Königin Luise, am 19. Juli 1810 auf Schloss Hohenzieritz in Mecklenburg im Alter von nur 34 Jahren stellte für den vierzehnjährigen Friedrich Wilhelm eine tiefe persönliche Zäsur dar. Dieses Ereignis interpretierte er als göttliche Fügung.
Das enge höfische Umfeld beschrieb den Prinzen als künstlerisch begabt und aufgeweckt, zugleich jedoch ungehorsam und eigenwillig, was seinen Erziehern wiederholt Schwierigkeiten bereitete. In späteren Jahren verfügte Friedrich Wilhelm im Gegensatz zu seinem wortkargen Vater über ausgeprägte rhetorische Fähigkeiten. Sein durch den Berliner Wortwitz geprägten Humor, konnte er im persönlichen Gespräch sehr für sich einnehmen. Er gehörte zu den gebildetsten Herrschern seiner Zeit, war phantasievoll, zugleich jedoch auch unbeständig, inkonsequent und wenig praktisch veranlagt. Im Lateinunterricht wurde sein Interesse an der klassischen Antike geweckt. Sein künstlerisches Talent wurde erkannt, so dass man Johann Heusinger als Zeichenlehrer bestellte. Sein Denken wurde in besonderem Maße durch die Lektüre des Autors Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772–1801) und dessen 1798 erschienene Fragmentsammlung „Glauben und Liebe“ oder „Der König und die Königin“ geprägt. Obwohl Delbrücks Erziehungskonzept dem Philanthropismus und damit einem aufklärerischen Ansatz verpflichtet war, entwickelte sich daraus eine geistige Ausrichtung, die zunehmend von postaufklärerischen Strömungen und insbesondere von der gefühlsbetonten Romantik beeinflusst war.
Bildunterschriften v.l.n.r.
Ernst Gebauer: Jean Pierre Frédéric Ancillon, Gemälde 1816.
Wilhelm Wach: General Carl von Clausewitz, Gemälde um 1818.
Franz Gareis: Friedrich von Hardenberg, gen. „Novalis“, Gemälde 1799.
Den eingeleiteten preußischen Reformen, die auf eine innere Modernisierung des Staates abzielten, stand der Kronprinz insgesamt eher ablehnend gegenüber. Unter dem Einfluss Delbrücks, vor allem aber Ancillons entwickelte er eine ausgeprägte Distanz gegenüber revolutionären Entwicklungen, so dass er für die von Staatskanzler Karl August von Hardenberg (1750–1822) vertretene Idee einer Revolution von oben kein Verständnis aufbrachte. Für Friedrich Wilhelm bedeutete der vom Staatkanzler repräsentierte bürokratische Absolutismus eine Abkehr von dem von ihm bevorzugten ständischen Ordnungsprinzip. Die Reformen erschienen ihm als Annäherung an die gesellschaftlichen Verhältnisse der Französischen Revolution.
Im Gegensatz dazu beschrieb der Vorgänger Hardenbergs, der Freiherr von und zum Stein die Erziehung des künftigen Königs als verweichlicht.
Am 18. Oktober 1805, kurz nach Vollendung seines zehnten Lebensjahres, wurde der Kronprinz nach preußischer Tradition zum Fähnrich ernannt und dem 1. Bataillon Leibgarde (IR 15, I) zugeteilt. Am 10. August 1807 erfolgte im Alter von zwölf Jahren seine Beförderung zum Secondeleutnant.
Wie bereits bei seinem Vater war auch die militärische Ausbildung Friedrich Wilhelms sowohl theoretisch als auch praktisch angelegt und lag in den Händen verschiedener Lehrer. Der theoretische Unterricht umfasste eine grundlegende schulische Bildung sowie Einführungen in Militärstrategie, Taktik und Militärgeschichte. Die praktische Ausbildung bestand aus militärischen Übungen, die teilweise von Unteroffizieren des Garderegiments durchgeführt wurden, und beinhaltete insbesondere Exerzieren und Drill, das Reiten und den Umgang mit Pferden, das Fechten sowie die Handhabung verschiedener Waffen.
Im Unterschied zu seinem jüngeren Bruder Wilhelm und zur Bestürzung seines Vaters entwickelte der Kronprinz jedoch kein ausgeprägtes Interesse an militärischen Angelegenheiten und zeigte weder für die theoretischen noch für die praktischen Aspekte der Kriegskunst eine nachhaltige Neigung. Entsprechend blieb sein Ansehen innerhalb des Offizierkorps weit hinter dem seines Bruders zurück und er wurde nie in vollem Maße als überzeugter Soldat wahrgenommen. Gleichwohl war er als preußischer Kronprinz, nach seiner Beförderung zum Stabskapitän im 1. Garde- Regiment zu Fuß am 21. März 1813, zur Teilnahme an den Feldzügen der Befreiungskriege verpflichtet.
Bildunterschriften v.l.n.r.
Thomas Lawrence: Staatskanzler Karl August von Hardenberg, Gemälde 1817.
Johann Christoph Rincklake: Freiherr Karl vom und zum Stein, Gemälde 1804.
Sein Verständnis des Krieges war dabei von einer engen Verknüpfung patriotischer und religiöser Deutungsmuster geprägt. Den Kampf gegen Napoleon interpretierte er als eine Art Kreuzzug gegen die von Frankreich ausgehenden Ideen der Aufklärung und die Französischen Revolution. Napoleon und die Franzosen erschienen ihm als Ausdruck einer göttlichen Strafe, die es abzuwehren galt. In zahlreichen zeitgenössischen Korrespondenzen finden sich Hinweise auf religiöse Erfahrungen und Deutungen, die an Motive der pietistischen Erweckungsbewegung anknüpfen, insbesondere an subjektive Gotteserfahrung, die Bedeutung des persönlichen Gebets sowie individuelle Vorstellungen von Heil und Erlösung. Eine ausgeprägte Frankophobie begleitete Friedrich Wilhelm zeitlebens. Wiederholt äußerte er die Überzeugung, dass der revolutionäre Geist den Franzosen gewissermaßen wesenseigen sei. Die Ereignisse der Revolutionen von 1789, 1830 und 1848 erschienen ihm im Nachhinein als Bestätigung dieser Auffassung. Auch die Herrschaft Napoleons mit ihrer Verbindung absolutistischer, revolutionärer und plebiszitärer Elemente interpretierte er als charakteristischen Ausdruck der französischen Volksart.
Bildunterschrift
Heinrich Anton Dähling: Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) von Preußen, Gouache 1810.
Seine ideologisch-ästhetischen Vorstellungen gewannen zunehmend an Bedeutung und traten insbesondere während seiner Reise im Juli 1815 in die infolge des Wiener Kongresses an Preußen gefallene Rheinprovinz deutlicher hervor. Die historisch geprägte Burgenlandschaft des Oberen Mittelrheintals weckte seine ausgeprägte Begeisterung für das Mittelalter. Bereits 1814 hatte er den unvollendeten Kölner Dom kennengelernt, den er nun erneut aufsuchte.
Seit Beginn des 19. Jahrhunderts beschäftigte sich Friedrich Wilhelm mit der Deutung der eigentlich aus Frankreich stammenden gotischen Architektur, als deutsch-nationalem Stil. In Preußen hatte die „einheimische“Antike“ ihren Durchbruch durch die „Wiederentdeckung“ der Marienburg durch den Baumeister Friedrich Gilly erfahren, der seine Aufmaße und romantisch anmutenden Innenraumansichten 1799 aufwendig publiziert hatte. Sowohl der Kronprinz wie auch sein Vater waren begeistert von der Architektur des Deutschen Ordens.
In den Kölner Dom projizierte Friedrich Wilhelm die idealisierte Vorstellung eines Reichsgedankens, der aus seiner Sicht von gemeinsamen christlichen und monarchischen Prinzipien getragen wurde. Vor diesem Hintergrund entwickelte er die Vision einer Restauration des 1806 untergegangenen Reiches, im Idealfall unter seiner eigenen Führung als römisch-deutscher Kaiser. Bereits als Kronprinz setzte er sich daher für die Vollendung des Kölner Doms ein, ein Vorhaben, das jedoch erst nach seinem Regierungsantritt in die Tat umgesetzt werden konnte.
Das Gottesgnadentums Friedrich Wilhelms IV. war nicht nur zentraler Bestandteil seines Denkens. Er entfernte sich zunehmend von der reformierten Nüchternheit, später auch von den von seiner Mutter vorgelebten lutherischen Religionsansichten und wandte sich immer mehr altkirchlichen Traditionen zu. Diese geistliche Auffassung korrespondierte mit dem professionellen Interesse des Königs an künstlerischarchitektonischen Fragen. Das von ihm initiierte Kirchenbauprogramm sollte der geistigen Erneuerung Preußens dienen.
Der Wandel seiner persönlichen Glaubenswelt beeinflusste auch seinen Lebensstil, insbesondere seine Ernährungsgewohnheiten. In der Kindheit waren Lebensweise und Ernährung bewusst einfach gehalten: Schlichte, zweckmäßige Kost zu festen Zeiten sowie körperliche Ertüchtigung waren Bestandteile dieses Lebenskonzepts. Ab seinem fünfzehnten Lebensjahr nahm Friedrich Wilhelm verstärkt am Hofleben und an gesellschaftlichen Veranstaltungen teil. Dadurch erhielt er Zugang zu einer opulenten Küche. Die Vorlieben für gute Speisen und Wein traten erstmals hervor. Im Erwachsenenalter entwickelte sich daraus eine ausgeprägte Genusskultur als Bestandteil seines ästhetisch geprägten Lebensstils. Diese zeigte sich in einer Vorliebe für gehobene Küche und gepflegte Tischkultur, wobei auch Einflüsse der italienischen Lebensart, die er auf Reisen kennenlernte, wirksam wurden. Der regelmäßige Konsum an Wein gehörte ebenso dazu, wie eine ausgeprägte Vorliebe für französischen Champagner. Als König bevorzugte er eine reichhaltige Küche. In Verbindung mit der zunehmenden Belastung durch Amtsgeschäfte, Stress sowie wenig körperlicher Bewegung führte dies zu einer deutlichen Gewichtszunahme, so dass Friedrich Wilhelm bereits als junger Mann eine ausgeprägte Korpulenz entwickelte. Mit zunehmendem Alter verschlechterte sich sein Gesundheitszustand merklich. Sein Übergewicht und eine starke Kurzsichtigkeit bereiteten ihm bei militärischen Inspektionen wiederholt erhebliche körperliche Schwierigkeiten. In seinem letzten Lebensjahrzehnt trat eine fortschreitende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes ein, die sich in Erschöpfung, Nervenschwäche, Konzentrationsstörungen und zerebralen Durchblutungsstörungen äußerte. Im Jahr 1857 erlitt er mehrere Schlaganfälle, die zu Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen und einer zunehmenden geistigen Eintrübung führten. Angesichts der fortschreitenden Krankheit übergab er im Oktober 1858 seinem jüngeren Bruder Wilhelm die Regierungsgeschäfte.
Bis zu seinem Tod am 2. Januar 1861 verschlimmerten sich die körperlichen Verfallserscheinungen weiter. Zwar war sein Sprachzentrum gestört, doch konnte er zunächst noch ausgedehnte Spaziergänge unternehmen. Auch eine letzte Italienreise konnte der kranke Monarch antreten, doch nahmen seine Kräfte merklich ab. Ende 1860 und zu Beginn des Jahres 1861 setzten weitere Schlaganfälle seinem Leben ein Ende.
Die vorangegangenen Ausführungen haben verdeutlicht, in welchem Maße die religiös und militärisch geprägte sowie zugleich von aufklärerischen, postaufklärerischen und frühromantischen Elementen bestimmte Ausbildung Friedrich Wilhelms in Kindheit und Jugend seine spätere
Persönlichkeit als König formte.
Bildunterschriften
Heinrich Anton Dähling: Friedrich Wilhelm III. und seine Familie, Gouache 1807.
Franz Krüger: König Friedrich Wilhelm IV. in Generalsuniform, vor dem Neuen Palais in Potsdam, Gemälde 1844.
Literatur:
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- Bußmann, Walter: Zwischen Preußen und Deutschland. Friedrich Wilhelm IV. Berlin 1990.
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- Gotthard, Axel: Friedrich Wilhelm IV. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 42. Nordhausen 2021. Sp. 439–469.
- Kraus, Hans-Christoph, und Baumgart, Winfried (Hg.): Der König und sein Beichtvater. Friedrich Wilhelm IV. und Carl Wilhelm Saegert. Briefwechsel 1848 bis 1856. (Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts Band 72). Berlin 2016.
- Kroll, Frank-Lothar: Friedrich Wilhelm IV. und das Staatsdenken der deutschen Romantik. Berlin 1990.
- Krüger, Peter, und Schoeps, Julius H. (Hrsg.): Der verkannte Monarch. Friedrich Wilhelm IV. in seiner Zeit. Potsdam 1997.
- Minkels, Dorothea: Briefwechsel des Königspaares Friedrich Wilhelm IV. & Elisabeth von Preußen (Baiern). Norderstedt 2020. Band 1: (1841–1842). Band 2: (1840–1843): Preußens erster moderner König. Band 3: (1844–1845): Der Industrie- und Kunstförderer & die Protektorin sozialer Einrichtungen.
- Ohff, Heinz: Preußens Könige. München 1999. S. 225–258.
- Rothkirch, Malve Gräfin: Der „Romantiker“ auf dem Preußenthron. Porträt König Friedrich Wilhelms IV. Düsseldorf 1990.
- Senn, Rolf Thomas: In Arkadien. Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Eine biographische Landvermessung. Berlin 2013.
- Werquet, Jan: Historismus und Repräsentation. Die Baupolitik Friedrich Wilhelms IV. in der preußischen Rheinprovinz. (Kunstwissenschaftliche Studien. Band 160). Berlin 2010.
- Verschiedene Seiten von de.wikipedia en.wikipedia und fr.wikipedia.