Georg Wilhelm, Markgraf von Brandenburg, wurde am 3. November 1595 im Schloss zu Berlin-Cölln als ältester Sohn von Kurprinz Johann Sigismund (1572–1619, reg. seit 1608) und seiner Frau Prinzessin Anna von Preußen (1576-1625) geboren. Zwischen 1608-1618 war er zunächst Administrator, später Erbe des Herzogtums Preußen.
Über seine Kindheit und Jugend ist nur sehr wenig bekannt. Er wurde zunächst im Sinne der lutherischen Konfession erzogen, unterwiesen und konfirmiert. Seine Mutter galt als eine entschiedene und sehr eigenwillige Persönlichkeit, die stets die Interessen ihres Herzogtums im Auge hatte. Zeitlebens blieb sie eine treue Anhängerin und Verfechterin der lutherischen Konfession in Brandenburg und Preußen. Georg Wilhelms Ausbildung, die wohl akademisch nicht sehr tiefgehend war, erfolgte in Berlin-Cölln und in Brandenburg.
Als Georg Wilhelm 18 Jahre alt war, trat sein Vater Johann Sigismund am Weihnachtstag des Jahres 1613 im Dom zu Berlin für sich und das Brandenburgische Haus vom lutherischen zum reformierten-calvinistischen Glaubensbekenntnis über. Entgegen den Bestimmungen des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens vom 25. September 1555, insbesondere dem 1612 als cuius regio, eius religio bezeichneten Prinzip, gestattete er seinen lutherischen Untertanen, diesem Konfessionswechsel nicht Folge zu leisten.
Durch den darauf einsetzenden Widerstand der brandenburgischen Geistlichkeit, der erheblich war, blieb die Bevölkerung weitgehend lutherisch. Zugleich bestand der Kurfürst aber darauf, dass die Elite des Landes, insbesondere hohe Beamte und Offiziere, zur reformierten Konfession konvertierte, weshalb für Brandenburg auch von einem Hofcalvinismus gesprochen werden kann. In Folge bekannten sich daher sämtliche brandenburgische Kurfürsten und spätere preußische Könige zum reformierten Glauben. Erst König Friedrich Wilhelm III. befahl 1817 den Zusammenschluss aller lutherischen und reformierten Gemeinden in Preußen zur sogenannten Evangelischen Kirche in Preußen, später Evangelische Kirche der altpreußischen Union genannt.
Danach wurde das religiöse Leben am Hof den neuen konfessionellen Gegebenheiten angepasst, insbesondere im Rahmen von Gottesdiensten und Andachten. Liturgie und Abendmahlsverständnis orientierten sich an der calvinistischen Tradition, die durch eine geringere sakramentale Akzentuierung, Zurückhaltung gegenüber bildhafter Symbolik sowie eine ausgeprägte, religiös begründete Pflicht- und Leistungsethik gekennzeichnet war.
Auch Georg Wilhelm musste sich als Thronfolger entsprechend neu ausrichten, die nüchternere reformierte Glaubenspraxis erlernen und sich im reformierten Katechismus unterweisen lassen. Ein zentraler Bestandteil seiner religiösen Bildung war das regelmäßige Bibelstudium, das sich wohl vor allem auf die Evangelien, die Psalmen und die alttestamentlichen Königsbücher konzentrierte und neben der Lektüre auch deren inhaltliche Erschließung und Kommentierung umfasste.
Am 24. Juli 1616 heiratete der Kurprinz Elisabeth Charlotte Prinzessin von der Pfalz (1597– 1660), mit der er vier Kinder hatte, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten, darunter sein Sohn Friedrich Wilhelm, der spätere Große Kurfürst (1620– 1688). Elisabeth Charlotte war die jüngere Schwester Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz (1596–1632), dem späteren sogenannten „Winterkönig“.
Nach dem Tod seines Vaters am 23. Dezember 1619 übernahm Georg Wilhelm die Regierung als Markgraf und Kurfürst von Brandenburg sowie Erzkämmerer des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, Herzog in Preußen, Herzog von Kleve und Graf von Mark. Ein Unfall im Jahr 1620 führte zu einer chronischen Unterschenkelverletzung, deren Folgen sich nach 1631 auf beide Beine ausweiteten und seine körperliche Leistungsfähigkeit dauerhaft einschränkten, wodurch er als wenig durchsetzungsfähig galt.
Sein zentrales politisches Ziel war die Sicherung der von seinem Vater erworbenen Territorien. Zu Beginn seiner Herrschaft verfolgte er im einsetzenden Dreißigjährigen Krieg eine Politik der Neutralität und Kaiserloyalität, die sich auch in der Übertragung maßgeblicher politischer Verantwortung an seinen ersten Minister, den katholisch-kaisertreuen Adam Graf von Schwarzenberg (1583–1641), zeigte; auf den Aufbau einer eigenständigen Militärmacht verzichtete er dagegen. Diese Politik stieß jedoch sowohl im überwiegend lutherischen Bürgertum als auch aufgrund seiner konfessionellen Position und persönlichen Entscheidungszurückhaltung auf erhebliche Schwierigkeiten.
Durch die Heirat seiner Schwester Maria Eleonora (1599–1655) mit dem lutherischen König Gustav II. Adolf von Schweden (1594–1632, reg. seit 1611) am 25. November 1620 in Stockholm geriet Georg Wilhelm in eine politisch heikle Lage. Zugleich hatte auch Sigismund III. Wasa, König von Polen und Großfürst von Litauen (1566–1632), sein Lehnsherr für das Herzogtum Preußen, um ihre Hand für seinen Sohn Wladislaus IV. Wasa (1595–1648, reg. ab 1632) angehalten. Aus Sicht Kaiser Ferdinands II. (1578/1619–1637) war Georg Wilhelm damit in ein gegen ihn gerichtetes protestantisches Beziehungsgeflecht eingebunden.
Während der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges blieb Brandenburg zunächst weitgehend verschont, und Georg Wilhelm versuchte auch in der Folge, eine Politik der Neutralität zu wahren. Angesichts seiner militärischen Schwäche und der geopolitischen Lage entwickelte sich das Territorium jedoch zunehmend zum Durchzugs- und Versorgungsgebiet verschiedener Heere, wodurch es insbesondere während des schwedischen Eingreifens (1630–1635) erheblich belastet, ausgeplündert und verwüstet wurde.
Mit der fortschreitenden schwedischen Präsenz sah sich Georg Wilhelm im August 1638 gezwungen, mit seinem Hof nach Königsberg im außerhalb des Reiches gelegenen Herzogtum Preußen auszuweichen. Dort verschlechterten sich sowohl seine finanziellen Möglichkeiten als auch sein Gesundheitszustand erheblich. Seit Oktober 1640 bettlägerig und an schwerer Wassersucht leidend, starb er am 1. Dezember 1640 im Alter von 45 Jahren im Königsberger Schloss. Auf Wunsch seines Sohnes und Nachfolgers Friedrich Wilhelm wurde er am 11. März 1642 in der Fürstengruft des Königsberger Domes beigesetzt.
In der historischen Bewertung gilt Georg Wilhelm vielfach als politisch wenig durchsetzungsfähiger Herrscher; seine zwischen kaiserlicher Loyalität und schwedischer Bindung schwankende Politik wird häufig als ein wesentlicher Faktor für die Destabilisierung Brandenburgs während des Dreißigjährigen Krieges interpretiert. Andererseits lässt sich dieses Verhalten auch als ein Versuch deuten, seine Territorien aus den sich abzeichnenden kriegerischen Verwerfungen herauszuhalten, der jedoch angesichts der entschlossenen und machtpolitisch bestimmten Vorgehensweise der beteiligten Akteure letztlich erfolglos bleiben musste.
Literatur:
- Asche, Matthias: Kurfürst Georg Wilhelm von Brandenburg im Dreißigjährigen Krieg. Versuch einer Neubewertung. In: Ders., Kollenberg, Marco, Zeiger, Antje (Hrsg.): Halb Europa in Brandenburg. Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen. Berlin 2020, S. 32–44.
- Bentzien, Hans: Unterm Roten und Schwarzen Adler. Berlin 1992.
- Beuys, Barbara: Der große Kurfürst. Der Mann, der Preußen schuf. Reinbek bei Hamburg 1979, S. 63 und 76.
- Hirsch, Theodor: Georg Wilhelm (Kurfürst von Brandenburg). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 8, Leipzig 1878, S. 619–629.
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- Neumann, Hans-Joachim: Friedrich Wilhelm der Große Kurfürst. Der Sieger von Fehrbellin. Berlin 1995, S. 38.
- Pantle, Christian: Der Dreißigjährige Krieg. Als Deutschland in Flammen stand. Berlin 2017, S. 41.
- Wedgwood, Cicely Veronica: Der 30jährige Krieg. München 1999, S. 139, 169, 193, 245 und 384f.
- Verschiedene Seiten von de.wikipedia, en.wikipedia, fr.wikipedia, pl.wikipedia und sv.wikipedia.