In Memoriam Professor Alois M. Memmesheimer
Alois M. Memmesheimer stammte aus einer bürgerlichen Familie, die in der Pfalz durch den Anbau von Wein bekannt war. Noch heute tragen mehrere Weingüter den Namen Memmesheimer. Alois wurde am 14. Juli 1894 in Saarbrücken geboren. Nach der Schulzeit in Bad Kreuznach, sein Vater war dort Grundschullehrer, und dem Abitur diente er im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, das in Berlin stationiert war und zu den Regimentern mit der ältesten Tradition der Preußischen Armee gehörte. Nach der Militärzeit studierte Memmesheimer an der medizinischen Kaiser-Wilhelm-Akademie in Berlin. Der Erste Weltkrieg bedeutete wie für Millionen anderer junger Männer, auch für den jungen Studenten eine Zäsur in seinem bisherigen Leben, er wurde Sanitätsmaat in der kaiserlichen Marine in Wilhelmshaven. Weitere Stationen waren das Marinelazarett Hamburg, in Flandern arbeitete er als Bataillonsarzt und zuletzt als Marinefeldhilfsarzt.
Nach dem Krieg setzte Memmesheimer sein medizinisches Studium in Berlin und Bonn fort, wo er in der Universitätsklinik zum Dr. med. promoviert wurde. Es folgten Stationen in der Hautklinik in Essen, an den Universitäten Kiel und Bonn, wo er sich 1926 habilitierte und zum Privatdozenten ernannt wurde. Schließlich arbeitete Memmesheimer auch an der University of Cincinnati in Ohio und am Rockefeller Institute for Medical Research in New York City, 1930 wurde er außerordentlicher Professor an der Universitäts-Hautklinik in Tübingen. Der umtriebige Wissenschaftler unternahm auch Forschungsreisen nach Mittelamerika und an die Westküste der USA, um die Infektionskrankheit Lepra zu erforschen. 1931 wurde er schließlich Chef der Essener Hautklinik. Kritische Äußerungen gegenüber dem NS-Regime führten zu Verhaftung und Inhaftierung, nur durch Fürsprecher aus der Umgebung des Vizekanzlers Franz von Papen konnte er auf seinen Chefposten in Essen zurückkehren.
Während des Zweiten Weltkrieges durchlief er mehrere Stationen und stieg bis zum Chefarzt des Marine-Lazaretts Emden auf, außerdem wurde er 1941 zum Beratenden Dermatologen der Kriegsmarine der Wehrmacht ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute Memmesheimer die Hautklinik in Essen wieder auf. Er nahm zahlreiche Ehrenämter wahr und genoß in der Welt der Medizin ein hohes Ansehen.
Professor Memmmesheimer war mit Frau Elisabeth Weißgerber verheiratet, aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Sohn Paul wurde Kunsthistoriker, sein Sohn Alois wurde wie sein Vater Arzt, schließlich gab es noch die Tochter Anna Elisabeth, die Volkswirtschaft studiert hat.
Als Professor Memmesheimer am 14. Januar 1973 in Essen verstarb, hinterließ er nicht nur ein sehr beachtliches Lebenswerk als Dermatologe. Es gab noch eine Leidenschaft, die ihn fasziniert haben muss und in die Welt der Numismatik führte. Seine bedeutende Sammlung von Münzen und Medaillen der Pfalz wurde bereits am 19. und 20. April 1979 beim Münz Zentrum in Köln versteigert, es ist Auktionskatalog XXXV der Albrecht und Hoffmann GmbH mit knapp 900 Münzen und Medaillen der Pfalz und der pfälzischen Nebenlinien sowie einer numismatischen Bibliothek mit gut 150 Positionen. Die Sammlung wurde unter dem Titel „Pfalz. Privatsammlung aus dem Besitz eines pfälzischen Gelehrten“ versteigert und ist noch heute ein Zitierwerk.
Wir danken der heutigen Generation der Familie Memmesheimer, dass sie das Haus Künker mit der Versteigerung der in diesem Katalog angebotenen Sammlung Mainz beauftragt hat. Fast 50 Jahre nach dem Tod des Sammlers sollen diese Schätze nun an andere weitergegeben werden. Wir fragen uns heute, woher der vielbeschäftigte Professor für Dermatologie und Teilnehmer an beiden Weltkriegen wohl die Zeit genommen hat, um auch noch sehr intensiv Münzen und Medaillen zusammenzutragen. Es wird wohl eines der Geheimnisse bleiben, die Professor Memmesheimer mit in sein Grab genommen hat. Wir wissen jedenfalls, dass Memmesheimer bereits 1929 bei Leo Hamburger Münzen aus der Sammlung Wolff ersteigert hat.
Osnabrück, im Dezember 2022
Frühjahrs-Auktion 386
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