ANONYMER VERSTEIGERER, WIEN, Auktion vom 16.11.1836 u.f.T., Wien.
ANONYMER VERSTEIGERER, WIEN, Auktion vom 16.11.1836 u.f.T., Wien.
Estimated price : €70
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Description
Aus der Ergebnisliste geht hervor, dass die zweite Abteilung dieser Sammlung bereits vor der Versteigerung geschlossen verkauft worden ist. Eine alte handschriftliche Notiz in einem weiteren, in der Bibliothek der Firma Fritz Rudolf Künker GmbH & Co. KG befindlichen Exemplar dieses Katalogs gibt dazu ein aufschlussreiches Detail preis "Die 2t. Abtheilung war Eigenthum einer Tochter d. Joh[anna]. Dieckmann [,] einer ... Henikstein & wurde vor der Auction zusamen verkauft".
Die Bildungshistorie von "Dickmann's Münzsammlung" fällt insofern aus dem üblichen Rahmen, da diese Kollektion nicht von einem Mann, sondern von einer Frau aufgebaut worden ist. Johanna von Dickmann [-Secherau] (* 1768 zu St. Veit in Kärnten, † 1835 in Wien), geborene Edle Schwern von Schwer[e]nfeld, war eine Tochter eines von Kaiser Joseph II. in den erblichen Adelsstand erhobenen Papiermühlenbesitzers. Sie verehelichte sich am 25. Juli 1786 mit dem verwitweten Johann Nepomuk [Georg Joseph] Ritter von Dickmann (* 1740 in Wien, † 1809 ebendort), der im Vorjahr seine Ehefrau verloren hatte und am 27. Juni 1786 auch seinen Schwager betrauern musste (Biographie des Kaisertums Österreich, Dritter Teil, Wien 1858, S. 281). Das ihm eng verbundene Geschwisterpaar repräsentierte die letzte Generation des vermögenden Adelsgeschlechts der Edlen von Secherau und hatte von Dickmann als Universalerben ihrer Hinterlassenschaft eingesetzt, die u. a. aus Gewerken und Eisenhüttenbetrieben der Kärtner Montanwirtschaft bestand, in deren Bewirtschaftung er bereits früh eingebunden worden war. Zudem hatte ihn der Schwager noch adoptiert, so dass Name und Titel dieses erloschenen Adelsgeschlechts durch den angenommenen Sohn und dessen Sprößlinge weiterhin erhalten blieb. Der einstige Soldat der österreichischen Armee, der nach seinem Abschied für seine Verdienste in den Ritterstand erhoben worden war, hatte durch seine vormalige Eheschließung einen sozialen und zugleich ökonomischen Aufstieg erfahren und konnte nur wenige Wochen später als gut situierter Witwer mit der 28 Jahre jüngeren Johanna von Schwernfeld die Familie Dickmann-Secherau gründen, aus der mehrere Kinder hervorgingen (hierzu ausführlich: Martina Adlassig, Die Dickmann-Secherau - Porträt einer Kärntner Gewerkenfamilie [17. - 20. Jahrhundert]. Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades „Magistra der Philosophie“ im Lehramtsstudium, Unterrichtsfach Geschichte, Sozialkunde, Politische Bildung, Unterrichtsfach Deutsch an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt Fakultät für Kulturwissenschaften, Klagenfurt 2014). Zur Hochzeit überreichte der Münzensammler Leopold Johann Welzl (* 1773 in Hroby, Böhmen, † 1848 in Wien, seit seiner Standeserhöhung 1808 den Namen Welzl von Wellenheim tragend), dem Paar eine auf seine Initiative hin geprägte Medaille. Im Laufe ihrer Ehe dürfte sich Johanna von Dickman-Secherau sich nicht allein auf ihre Rolle als Mutter, als Hüterin und guter Geist ihres Wiener Wohnsitzes sowie als Repräsentantion der Familie in der Öffentlichkeit beschränkt haben, sondern auch mit Interesse die Arbeit ihres Mannes verfolgt und unterstützt haben, da sie nach dessen Ableben im Jahre 1809 die laufenden Geschäfte kundig und mit Geschick weiter zu führen vermochte. Den Anstoß zum Münzensammeln erhielt sie, als 1811 im Zuge eines Erbfalls eine kleine Gruppe numismatischer Objekte in ihren Besitz gelangte. Daraus entwickelte sich ein glühendes Interesse für diese Materie, das sie dazu antrieb, ihren Bestand zu vermehren. Sie pflegte Kontakte zu bekannten Münzensammlern oder numismatischen Autoren. So stand sie u.a. in fachlichem Austausch mit Hofrat Leopold Johann Welzl von Wellenheim, Joseph Appel (* 1767 in Wien, † 1834 ebendort), zum Offizier Ludwig Traux (* 1773 in Antwerpen, † 1855 in Wien), Joseph Bergmann (* 1796 in Hittisau, Vorarlberg, † 29. 1872 in Graz) und Anton von Steinbüchel von Rheinwall (* 1790 in Krems an der Donau; † 1883 in Innsbruck). Zu ihrem Gedenken und zur Erinnerung an ihren Ehemann beauftragte ihre älteste Tochter Johanna Edle von Henikstein den Medailleur Josef Bernasee mit dem Entwurf einer Medaille, die 1837 zur Ausprägung kam (Constant von Wurzbach, Biographien aus Kärnten, In: Carinthia 51. Jahrgang, Nr. 19, 1861, S. 145-157).
Information for lot 7413 from eLive Auction Literatur 2025
| Weight | 348,00 g |
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