Ludwig der Fromme, 814-840. Solidus. Imperiale Repräsentationsprägung aus einer unbekannten Münzstätte
Ludwig der Fromme, 814-840. Solidus. Imperiale Repräsentationsprägung aus einer unbekannten Münzstätte
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Description
GOLD. Von großer Seltenheit. Sehr schön Die wenigen goldenen Solidi gehören sicherlich zu den spektakulärsten Prägungen aus der Regierungszeit Ludwigs des Frommen (814-840). Sie sind Ausdruck des Machtanspruchs des noch relativ jungen karolingischen Kaisertums und drücken seine Gleichrangigkeit mit Byzanz in Nominal, Gewicht und Münzbild aus.
Die Legende MVNVS DIVINVM ("Göttliches Geschenk") ist oftmals als Hinweis auf die unerwartete Regierung Ludwigs des Frommen gedeutet worden, dessen eigentlich für die Nachfolge bestimmten Brüder Pippin und Karl bereits vor ihm verstarben. Am 11. September 813 setzte er sich auf Befehl seines Vaters, Karls des Großen (768-814), in der Aachener Pfalzkapelle selbst die Krone auf. Damit wurde zum ersten Mal das Kaisertum vom Vater ohne Einflussnahme des Papstes noch zu Lebzeiten an den Sohn weitergeben. Eine andere Erklärung ist, dass sich die Umschrift auf Kreuz und Kranz der Rückseite als Symbol der göttlichen und weltlichen Macht bezieht. Die Krone (das lat. Wort corona bedeutet sowohl "Krone" als auch "Kranz") wäre demnach als göttliches Geschenk an den Herrscher aufzufassen.
Die Prägung dieser Stücke fand vermutlich anlässlich der erneuten Krönung und Salbung am 5. Oktober 816 in Reims durch Papst Stephan IV. (816-817) statt und hat somit zeremoniellen Charakter. Alle bekannten Exemplare lassen sich auf 4 Stempelpaare zurückführen, was für eine in ihrem Umfang begrenzte Emission spricht.
Als Prägeort nahm W. Hävernick Dorestad an, was für die späteren Exemplare und Nachahmungen von gröberem Stempelschnitt möglich sein mag. Der ausgesprochen "imperiale Charakter" dieser Prägung und das eindrucksvolle Porträt machen jedoch eine Prägung an einem Zentralort karolingischer Herrschaft - namentlich Aachen - wahrscheinlicher. Selbst wenn die Stücke nicht für den allgemeinen Geldverkehr gedacht waren, so sind sie dennoch als Zahlungsmittel benutzt worden, wie friesische Nachahmungen nahe legen. Es gab also wohl auch noch in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts ein gewisses Bedürfnis nach Goldgeld. In jedem Fall sind es bis zu den Augustalen Kaiser Friedrichs II. (1215-1250) die letzten Goldmünzen eines abendländischen Kaisers.
Literaturangaben:
- Coupland, S.: Money and Coinage under Louis the Pious, in: Francia 17/1, Sigmaringen 1990, S. 27.
- Hävernick, W.: Die Anfänge der karolingischen Goldprägung in Nordwesteuropa, in: HBN 6-7 (1952-1953), S. 55-60.
- Kluge, B.: Numismatik des Mittelalters. Handbuch und Thesaurus Nummorum Medii Aevi, Berlin / Wien 2007, S. 89.
- Grierson, P. / Blackburn, M.: Medieval European Coinage, I. The early Middle Ages (5th-10th centuries), Cambridge 1986, S. 329-330.
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Information for lot 5046 from Auction 218
| Nominal/Year | Solidus. |
|---|---|
| Mint | Imperiale Repräsentationsprägung aus einer unbekannten Münzstätte |
| Rarity | Von großer Seltenheit. |
| Quotes | Depeyrot 8; Gariel XIV, 11; M./G. 515; Prou 1071 |