Gleich drei besondere Münzen waren anlässlich unserer diesjährigen Herbst-Auktionen Gegenstand umfangreicher Berichterstattung im norddeutschen Raum. Insgesamt wurden Anfang Oktober 2.132 Losnummern versteigert. In Paderborn, Emden und Bremen wurden Zeitungen auf ganz besondere Exemplare von großer Seltenheit aufmerksam, alle in exzellentem Zustand.
Außerdem hatten wir die Ehre und das Vergnügen, eine sehr bekannte, umfangreiche und hochwertige Salzburger Sammlung zu versteigern: Die Lambert-Kollektion. Die Salzburger Nachrichten griffen die Familiengeschichte gern auf.
Westfalen-Blatt greift Versteigerung Paderborner Goldmünze auf
Das Westfalen-Blatt fand ein besonderes Stück aus dem Siebenjährigen Krieg berichtenswert und schrieb im Vorfeld der Auktionen einen längeren Artikel über die Münze aus Paderborn, deren Bedeutung und Herkunft: „Ein besonderes Zeugnis aus der Zeit nach dem Siebenjährigen Krieg wird am 7. Oktober bei einem Auktionshaus in Osnabrück versteigert: eine prachtvolle Paderborner Goldmünze von 1763, geprägt anlässlich der Wahl Wilhelm Anton von der Asseburgs zum Fürstbischof“, so verkündet es das Westfalen-Blatt.
Nach dem Siebenjährigen Krieg war die Paderborner Bevölkerung verarmt, die Wirtschaft am Boden und die Region verwüstet. Der Bischofsstuhl in Paderborn war schon zwei Jahre vakant geblieben. Grund dafür war der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Zur näheren historischen Einordnung wird unser Geschäftsführer, Dr. Andreas Kaiser, zitiert: „Diese Münze veranschaulicht eindrucksvoll, wie sich die Katholiken in Paderborn erfolgreich gegen die Reformation stemmten.“ Während die englisch-preußische-reformierte Partei die Wahl eines katholischen Bischofs zu verhindern versuchte, um Paderborn neutral zu halten, konnte die katholische Seite auf eine alte Verbindung zum katholischen Ludwig XV. zählen. Als König von Frankreich setzte er kurzerhand den katholischen Wilhelm Anton von der Asseburg als Bischof von Paderborn ein. „Wie fast alle Münzen hält auch dieses Exemplar unsere Geschichte lebendig. Deshalb ist sie sehr kostbar und ihre historische Bedeutung für Paderborn übersteigt den reinen Wert des Edelmetalls um ein Vielfaches“, so die abgedruckte Aussage von Dr. Kaiser.
Seltene Goldmünze erzählt von politischem Machtkampf um Emden
Eine weitere Münze schaffte den Sprung ins Licht der Öffentlichkeit: Das schöne Goldstück wurde 1694 anlässlich eines politischen Machtkampfes um Emden geprägt. Der Graf von Ostfriesland und der brandenburgische Kurfürst Friedrich III stritten zu jener Zeit um die Vorherrschaft in Emden. Die Stadt wollte sich aus der Abhängigkeit vom Grafen befreien und strebte nach dem Status als Freie Reichsstadt. „Während der Kaiser eigentlich als Schutzherr der Reichsstädte galt, war Leopold I. zu jener Zeit mit anderen Konflikten beschäftigt und konnte sich nicht um Emden kümmern“, schreibt die Ostfriesenzeitung.
Die Diplomaten in den Diensten des Kaisers hatten einen Einfall: Dank einer so genannten Expektanz behielt der Graf alle seine Rechte und konnte so sein Gesicht wahren. Da er ohne Nachfahren geblieben war, vereinbarte man, dass Emden erst nach Aussterben seiner Dynastie an Brandenburg fallen würde. Wenige Tage nach dem Tod des Grafen im Jahr 1744 besetzten 80 preußische Grenadiere das gräfliche Schloss. Friedrich II begründete dort die Handelskompanie. „Für Emden und die Region ist das Goldstück weit mehr als ein Sammlerobjekt – es erzählt von einer bewegten Vergangenheit und dem Streben nach Unabhängigkeit“, damit schließt der Artikel in der Ostfriesenzeitung.
Der Weser-Kurier berichtet: Eine Bremer Münze zwischen Katholiken, Calvinisten und Lutheranern
Der Weser-Kurier, auflagenstärkste Zeitung in Bremen, befasste sich intensiv mit einem sehr seltenen Doppeltaler aus Silber, der 1562 in Bremen geprägt wurde. Der Redakteur berichtete sehr lebendig über die historisch bedeutsame Zeit der Reformation, als Katholiken, Lutheraner und Calvinisten um Bremen rangen. 1562 setzte sich im Rat eine calvinistische Minderheit gegen die lutheranische Mehrheit durch. Der Bremer Erzbischof Georg von Braunschweig-Wolfenbüttel verschenkte diese Silbermünze an wohlhabende und einflussreiche Bremer Bürger. „In Bremen versuchte er, die religiösen Wogen im Sinne der gemäßigteren Lutheraner zu glätten. Doch vergeblich“, so die historische Zusammenfassung im Weser-Kurier. Und über die Münze selbst schreibt er: „Es ist etwas dicker als gewöhnliche Taler aus dieser Zeit und zeigt einen etwas überrascht dreinblickenden Mann im Profil mit Barett und Pelzmantel“. Weiterhin sprach der Redakteur mit dem Vorsitzenden der Bremer Numismatischen Gesellschaft, der ebenfalls bestätigte, dass es sich bei dem Doppeltaler um ein ganz besonderes Stück handelt. „So eine Münze kann man nicht jeden Tag kaufen“, wird Christoph Stadler zitiert.
Salzburger Nachrichten bringen Artikel über die Versteigerung der Lambert-Sammlung
Insidern ist die Lambert-Sammlung ein Begriff. Kürzlich hatten wir die Freude, diese über 1.000 hochwertigen Einzelstücke, die sich alle mit der Geschichte Salzburgs befassen, Sammlern wieder zugänglich zu machen. Im Vorfeld hatten unsere Numismatiker die Sammlung auf einen Mindestwert von 600.000 Euro geschätzt und wurden eines Besseren belehrt. Sie erzielte einen Gesamtwert in Höhe des 1,5-fachen. „Ein Salzburger Münzschatz erreichte hohen Ertragt“, titelten im Nachgang die Salzburger Nachrichten und befassten sich auch mit der Lambert-Familienhistorie.
Denn die Kollektion ist über drei Generationen hinweg zusammengestellt worden. Die vom in Deutschland geborenen Großvater geweckte und an Sohn und Enkel weitergereichte Münzleidenschaft überstand Kriege, Umzüge in fremde Länder, Hungersnot, Krankheiten, Wirtschaftskrise, Währungsreform und sogar vorübergehende Staatenlosigkeit. Über sehr wechselhafte Zeiten und drei Generationen hinweg wuchs währenddessen eine familiäre Begeisterung für Salzburgs Historie. Die Lamberts entwickelten eine wachsende Expertise und spürten viele besondere Salzburger Stücke auf. Zur Sammlung zählten sehr seltene und vorzüglich erhaltene Reichstalerklippen und Dukaten, die zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert beispielsweise von den Erzbischöfen Leonhard von Keutschach, Johann Jakob Khuen von Belasi, Wolf Dietrich von Raitenau, Markus Sittikus von Hohenems, Guidobald von Thun und Hohenstein oder Sigismund III. von Schrattenbach in Salzburg geprägt wurden.