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Dr. Friedrich-Karl Günther wurde als einziges Kind der Eheleute Otto und Klara Günther fast am Ende der deutschen größten währungspolitischen Krise am 28.07.1922 in Berlin geboren. Er erlebte das Ende der Weimarer Republik und die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Mit dem sogenannten Notabitur, welches dem NS-Regime erlaubte, Heranwachsende bereits mit 18 Jahren zum Dienst an der Waffe zu verpflichten, schloss er seine schulische Laufbahn ab. Von der Wehrmacht wurde er dann in die Luftwaffe einberufen. Er wurde in der Stadt Petsamo im finnischen Eismeer, welches heute unter dem Namen Petschenga zu Russland gehört, stationiert. Hier infizierte er sich mit Tuberkulose, der lebensbedrohliche Krankheitsverlauf führte schließlich zu seiner Ausmusterung und er konnte nach Berlin zurückkehren wo er erste Erfahrungen mit Jura hatte und sich für das Studium interessierte. Im völlig zerstörten Berlin lernte er seine spätere Ehefrau Gisela Kathrin (geb. 25.09.1926 als geb. Jungkeit) kennen. Seine Ehefrau arbeitete als technische Zeichnerin in den Borsigwerken, welche zu dieser Zeit einen bedeutenden Beitrag in der Rüstungsindustrie leisteten. Schließlich heirateten beide in Berlin-Reinickendorf, ein Teil von Berlin, der zum französischen Sektor gehörte, am 12.06.1945. Aus den Unterlagen des Standesamtes geht hervor, dass dies die erste Trauung in dem neu eröffneten Standesamt gewesen ist.
Nach der Heirat sollte sich keine Verbesserung der Lebenssituation einstellen, und so beschlossen sie gemeinsam, beeinflusst von den Schrecken des 2. Weltkrieges und getrieben von Hunger und der Sehnsucht nach einem besseren gemeinsamen Leben, Ihre Heimatstadt zu verlassen. Ihr Weg sollte Sie zu Verwandten nach Badeborn bei Ballenstedt (Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt) führen. Die Lebenssituation empfanden die jungen Eheleute als erträglicher, und so konnten sie neuen Mut und Kraft für die Zukunft schöpfen. Dr. Friedrich-Karl Günther beabsichtigte nach intensiver Recherche Jura an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Georg-August Universität in Göttingen, die 1946 noch unter britischer Militärregierung stand, zu studieren.
Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23.05.1949
neugegründet, und ein freies Reisen und das Studium sollten möglich werden.
Jedoch wurden diese Pläne durch eine weitere bedeutende geschichtliche Zäsur im
Leben der Eheleute Günther zunichte gemacht.
Mit der Gründung der DDR am
07.10.1949 sahen sich die beiden erneut gezwungen, ihre bis dato neue Heimat
aufzugeben und den Harz bis auf Weiteres zu verlassen. Über die Naturgrenze
verließen sie illegal die DDR.
In Göttingen angekommen, sind beide komplett auf sich allein gestellt gewesen. Dennoch konnte das Jurastudium fortgesetzt werden, und der Wille zum erfolgreichen Abschluss des Studiums und anschließender Promotion zum Dr. jur. im Jahre 1950 ermöglichte eine fundierte berufliche Perspektive. Das Wirtschaftswunder und der Mangel an Juristen in der Bundesrepublik Deutschland sorgte für eine berufliche Stabilität und eine Verbesserung der Lebenssituation, die den Eheleuten Günther den Mut gaben, eine Familie zu gründen. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor.
Der Familienvater wurde Justiziar beim Deutschen Raiffeisenverband und später, im Jahr 1972 auch beim Dachverband in leitender Position. Nach dem Zusammenbruch der DDR und der daraus folgenden Wiedervereinigung im Jahr 1990 endete seine berufliche Laufbahn.
Die Familie Günther konnte im Naherholungsgebiet des Harzes, nicht weit von Hannover entfernt, ein Refugium erwerben. Von diesem aus konnte man seinerzeit Blicke auf Silbergruben erhaschen und das Interesse an Münzen und Medaillen, vor allem der Welfen und Bergbauprägungen war geweckt. Dies ist in Sammlerkreisen sehr ungewöhnlich, da doch fast jeder einen Sammler oder Münzenhändler als Mentor an seiner Seite hatte, der zum Sammeln oder Handeln von Münzen anregte. Sein Sammeln war von der Begeisterung der künstlerischen Vielfalt von Münzen begleitet und diese Vielfalt sollte sich alsbald in einer stetig wachsenden Sammlung wiederfinden. Sein Interesse sollte aber nicht bei den welfischen Prägungen enden, und so sind auch die Prägungen des Römisch-Deutschen-Reiches Objekt der Sammelbegierde gewesen. Sein unglaubliches Geschichtswissen über die einzelnen Verbindungen der Herrscher gaben Ihm familienintern mit einem Augenzwinkern das Prädikat „Repräsentant des Bildungsbürgertums“. Die von Unsicherheit begleiteten ersten drei Jahrzehnte seines Lebens sollten ein glückliches Ende finden, und ein zufriedenes Familienleben war die Triebfeder für Beruf und Sammelleidenschaft.
Dr. Friedrich-Karl Günther lernte das neugegründete Unternehmen Künker anlässlich eines Sammlertreffens in Hannover 1971 kennen. Fortan tauschten wir uns intensiv über die Bergbauprägungen aus. Unser Sammler erwarb von der Firma Künker einen Löser zu 4 Reichstalern des Jahres 1654, der in unserer Berlin-Auktion 2026 unter der Losnummer 140 zur Versteigerung angeboten wird. Fortan war Herr Dr. Günther ein dem Hause Künker eng verbundener Kunde. Regelmäßig erwarb er aus den damals noch erschienenen Lagerlisten Münzen, und zu unserer 1. Künker Auktion im Jahr 1985 besuchte er uns. Nach seinem Austritt aus dem Berufsleben rückten seine Interessen, wie das Wandern und das Hören von klassischer Musik, noch stärker in den Fokus.
90jährig und zurückblickend auf ein deutsch-deutsches Leben endete mit seinem Tod am 26.11.2012 seine fast sieben Jahrzehnte andauernde Ehe mit seiner Frau Gisela, die ihm am 16.07.2025 folgte.
Dr. Friedrich-Karl Günther bleibt mir und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Künker als lebensfroher, wissbegieriger, diskussionsfreudiger und überaus geschätzter Kunde in Erinnerung. Wir folgen posthum seinem und dem seiner Kinder, dass diese Sammlung nun aufgelöst wird und die Münzen wieder zurück in den numismatischen Kreislauf gelangen. Für das von der Familie entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns sehr herzlich, und wir wünschen unseren Münzliebhabern viel Freude bei der Lektüre des Kataloges und beim Bieten.
Osnabrück, November 2025
Roland Trampe und Fritz Rudolf Künker
Berlin Auction Sale 437
- Brandenburg-Prussia
- Selected coins and medals from the German states and the Habsburg Empire
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