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Völkerwanderung (4.-6. Jahrhundert n. Chr.)


Die ältere Vorstellung von Horden barbarischer Völkerschaften, die den Limes überrannten und das Römische Reich zu Fall brachten, ist in der heutigen Forschung so nicht mehr tragbar. Zum einen befanden sich Germanen bereits zuvor in größerer Zahl in römischen (Militär) Diensten und zum anderen waren es keine einheitlichen Stämme, sondern eher gemischte Zweckbündnisse, die den spätantiken Heeren entgegentraten.

Odoaker, König von Italien ab 476-493. Solidus im Namen des Zeno, Mediolanum.
Odoaker, König von Italien ab 476-493. Solidus im Namen des Zeno, Mediolanum. Zuschlag: 7.500 Euro.

Insofern ist auch der seit dem 18. Jahrhundert gebrauchte Begriff „Völkerwanderung“ in letzter Zeit zunehmend in die Kritik der Historiker geraten. Numismatisch gesehen bezeichnet „Völkerwanderung“ alle Prägungen germanischer Stämme (gentes) von den ersten „pseudo-imperialen“ Nachprägungen römischer Münzen bis zu den eigenständigen „nationalisierten“ Münzen der germanischen Königreiche (regna).

Westgoten. Sisebut, 612-621. Tremissis, Narbonne.
Westgoten. Sisebut, 612-621. Tremissis, Narbonne. Zuschlag: 6.000 Euro.

Die erste Stufe des völkerwanderungszeitlichen Münzwesens sind die sogenannten „pseudo-imperialen“ Prägungen – mehr oder weniger gelungene Nachahmungen kaiserlicher Gold- und Silbermünzen, die sich anhand ihres Stils verschiedenen Stämmen zuweisen lassen. Kupfer- (Follis) und Silbermünzen (Siliqua) wurden bereits seit dem Ende des 5. Jahrhunderts „nationalisiert“, d. h. im Namen der germanischen Herrscher, geprägt. Die Goldmünzen (Solidus und Triens) ahmten weiterhin das oströmisch-byzantinische Vorbild nach, gelegentlich ergänzt durch ein kleines Herrschermonogramm im Feld (bspw. GVB für den Burgunderkönig Gundobald, 473-516). Erst der Frankenherrscher Theudebert von Metz (534-548) setzte seinen eigenen Namen auf die Münzen und brach damit das Goldmünzenmonopol der byzantinischen Kaiser.

Langobarden. Desiderius, letzter König der Langobarden, 757-773. Tremissis, Castelseprio.
Langobarden. Desiderius, letzter König der Langobarden, 757-773. Tremissis, Castelseprio. Zuschlag: 9.000 Euro.

Für den Sammler von Münzen der Völkerwanderung kommen Prägungen der Vandalen (Nordafrika), Ostgoten (Italien), Westgoten (Frankreich und Spanien), Sueben (Spanien) und Langobarden (Italien) als Themenkomplexe in Frage, wobei deren Bestimmung und Zuweisung nicht immer leicht ist und eine gute Kenntnis der Fachliteratur erfordert.

Erleben Sie die Zeit der Barbarian Invasions und damit den Beginn des europäischen Mittelalters in Münzbild und -schrift! Entdecken Sie die Völkerwanderung und vertiefen Sie sich mit den Münzen in spannender Literatur.

Einführungsliteratur

  • Bernareggi, E.: Moneta Langobardorum, Mailand 1983 [ital.] / London 1989 [engl.].
  • Grierson, P. / Blackburn, M.: Medieval European Coinage. 1 The Early Middle Ages (5th-10th centuries), Cambridge 1986.
  • Metlich, M.: The Coinage of Ostrogothic Italy, London 2004.
  • Pliego Vázquez, Ruth: La Moneda Visigoda, 2 Bände, Sevilla 2009.
  • Tomasini, W.: The Barbaric Tremisses in Spain and Southern France. Anastasius to Leovigild (Numismatic Notes and Monographs 152), New York 1964.
  • Vico Monteoliva, J. / Cruz Corez Gomendio, M. / Cores Úria, G.: Corpus Nummorum Visigothorum ca. 575-714, Madrid 2006.

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