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Europäische Münzen und Medaillen (16.-21. Jahrhundert)


Die numismatische Neuzeit beginnt in Europa um das Jahr 1500 in den habsburgischen Landen. Mit der 1486 aufgenommenen Prägung des Tiroler Guldengroschens als erster Großsilbermünze im Wert eines rheinischen Golguldens lieferte Erzherzog Sigismund der Münzreiche (1439-1490) die Vorlage für den erfolgreichsten Münztyp der nächsten 400 Jahre.

Frankreich. Charles VII, 1422-1461. Franc à cheval o. J. (12. Sept. 1422), Montpellier.
Frankreich. Charles VII, 1422-1461. Franc à cheval o. J. (12. Sept. 1422), Montpellier. Zuschlag: 70.000 Euro.

Den Namen zu diesem Erfolgsmodell lieferten die Grafen von Schlick mit ihrem Silberbergwerk Joachimstal, von dem sich die Bezeichnung Taler ableitet. Die Silbermünze wurde in ganz Europa und darüber hinaus unter verschiedenen Namen geprägt – in Skandinavien als Rigsdaler, in Italien als Tallero, in Spanien als Peso, in Frankreich als Ecu, in England als Crown und in den USA als Dollar.

Großbritannien. Victoria, 1837-1901. Florin 1873, London. Gotischer Typ.
Großbritannien. Victoria, 1837-1901. Florin 1873, London. Gotischer Typ. Zuschlag: 400 Euro.

Trotz der allgemeinen Beliebtheit dieser wichtigsten europäischen silbernen Handelsmünze des 16.-19. Jahrhunderts ist die neuzeitliche Münzprägung in der Gesamtheit ihrer Typen- und Bildervielfalt dennoch nahezu unüberschaubar, weshalb an dieser Stelle nur auf einige Besonderheiten hingewiesen werden kann. Selbst in einem vergleichsweise kleinen Land wie der Schweiz waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts mehr als 800 Münzvarianten im Umlauf, da es eine Vielzahl von Prägeherren gab. In den Münzbildern finden wir die Porträts nahezu aller berühmten europäischen Persönlichkeiten wieder: Ob die „jungfräuliche Königin“ Elizabeth I. (1558-1603) oder der „Lordprotektor“ Oliver Cromwell (1656-1658), ob der „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. (1643-1715) oder der „Kaiser der Franzosen“ Napoléon Bonaparte (1804-1814/1815), ob der „Löwe aus dem Norden“ Gustav II. Adolf (1611-1632) oder der „Retter Wiens“ Johann III. Sobieski (1674-1696) – Sie alle haben ihre Spuren in der Münz- und Medaillenprägung hinterlassen und sind Teil der Geschichte von Europa.

Anhand der Münzbilder lässt sich nicht nur die wechselvolle Münzgeschichte Europas nachvollziehen. So prägte Spanien vom 16. bis zum frühen 19. Jahrhundert Münzen von rohem Stempelschnitt auf teilweise eckigen Schrötlingen aus dem Silber der Bergwerke Mexikos und Perus. Im Volksmund wurden diese Prägungen „Schiffsgeld“ genannt, weil man annahm, sie seien während der Überfahrt aus den Kolonien entstanden. Während der Französischen Revolution wurde 1795 erstmals in einem europäischen Land ein auf dem Dezimalsystem beruhendes Münzwesen mit dem Franc als Standardsilberprägung eingeführt.

Polen. Sigismund III., 1587-1632. Portugalöser zu 10 Dukaten 1622.
Polen. Sigismund III., 1587-1632. Portugalöser zu 10 Dukaten 1622. Zuschlag: 130.000 Euro.

Neben den klassischen Münzformen gibt es noch zahlreiche Sonderprägungen in Europa: So entstanden im 17./18. Jahrhundert in Schweden in Ermangelung von Silber großformatige Kupferplatten von mehreren Kilo Gewicht als Zahlungsmittel. In England entstanden aus Kleingeldmangel zum gleichen Zeitpunkt zahlreiche Privatmünzprägungen (Tokens) mit einer Vielzahl attraktiver Motive. Eine interessante Zwitterform von Münze und Medaille sind auch die Schraubmedaillen/Schraubtaler – hohlgeprägte Medaillendosen mit eingelegten Bildserien aus koloriertem Papier. Außerdem bilden auch die zahlreichen Nachprägungen gängiger Münzsorten ein beliebtes Sammelgebiet für europäische Münzen: Beispielsweise wurde der niederländische Löwentaler (Leeuwendaaler) im 17. Jahrhundert von zahlreichen Münzständen in Deutschland, Dänemark und Italien nachgeahmt. Auch die umfangreichen militärischen Unternehmungen der Neuzeit haben eine Fülle an Not- und Belagerungsgeld z. B. in Form von quadratischen Klippen (von schwed. klippe = „mit der Schere schneiden“) hinterlassen.

Erleben Sie die spannende (Münz)Geschichte des europäischen Kontinents in seinen Münz- und Medaillenbildern! Lernen Sie mehr über die Historie und europäischen Münze.

Einführungsliteratur

  • Davenport, J. S.: European Crowns 1484-1600, Frankfurt a. M. 1977.
  • Davenport, J. S.: European Crowns 1600-1700, Galesburg 1974.
  • Davenport, J. S.: European Crowns 1700-1800, London 1964.
  • Davenport, J. S.: European Crowns since 1800, London 1964.
  • Krause Publications (Krause/Mishler), Standard Catalog of World Coins (1601-Date), 5 Bände, Iola 2012 (jährlich aktualisierte Auflage).
  • Friedberg, A. L. / Friedberg, I. S.: Gold Coins of the World. From ancient times to the present, 8. Auflage, Clifton 2009.
  • Schön, G. / Kahnt, H.: Weltmünzkatalog 19. Jahrhundert (1801-1900), 16. Auflage, Regenstauf 2013 (jährlich aktualisierte Auflage).
Die angeführten Kataloge können lediglich einen Überblick zum Sammelgebiet der europäischen Münzen vermitteln. Zu den einzelnen Ländern und Regionen existiert eine Vielzahl an Spezialkatalogen für den interessierten Sammler.

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