Teaserbild
Trennline

BANK LEU AG, Zürich / MÜNZEN- UND MEDAILLENHANDLUNG STUTTGART. Auktion vom 21.-23.6.1989, Zürich.

BANK LEU AG
Zürich und MÜNZEN- und MEDAILLENHANDLUNG STUTTGART. Auktion vom 21.-23.6.1989, Zürich.

Back to the list

Lot number 6656




Estimated price: 50.00 €
Hammer-price / sale price: 50.00 € (Preliminary hammer price)


BANK LEU AG, Zürich / MÜNZEN- UND MEDAILLENHANDLUNG STUTTGART. Auktion vom 21.-23.6.1989, Zürich.
Sammlung Herbert J. Erlanger: Nürnberg. Münzen, Marken und Medaillen von Nürnberg, Medaillen der Universität Altdorf, 2/3 Taler mit Gegenstempeln des Fränkischen Kreises, Münzen und Medaillen in fremden Auftrag, von Nürnberger Münzmeistern, Stempelschneidern und Medailleuren. Das vollständige Set, bestehend und dem Text- und dem Tafelband. 219 S. 2454 Nrn.; 2 unpaginierte S. 123 Tfn. Orig.-Broschuren. Inliegend die Orig.-Ergebnisliste. Beigefügt: NÜRNBERGER MÜNZAUKTIONEN, G. FRANK KG. Sammlung Herbert J. Erlanger, II. Teil:  Medaillen und Münzen im fremden Auftrag von Nürnberger Münzmeistern, Stempelschneidern und Medailleuren. In: Katalog der Auktion 21, Nürnberg, 22.-23.4.1991, S. 61-143, Los-Nrn. 2459-2997. Orig.-Broschur. (3)


Herbert Justin Erlanger (* 1906 in Nürnberg, gestorben 1988 in New York), stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie, sein Vater Justin war Teilhaber der Hopfenhandlung Erlanger & Söhne (Adressbuch von Nürnberg, 20. Jahrgang, 1897, S. 95). Herbert Justin absolvierte an den Universitäten München, Berlin und Bonn ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1928 abschloss. Im folgenden Jahr wurde er in diesem Fach promoviert. Auf Empfehlung seiner Professoren kam er in Kontakt mit der US-amerkanische Filmindustrie, und unternahm 1930 seine erste Reise in die Vereinigten Staaten (John Lupia, Encyclopedic Dictionary of Numismatic & Philatelic Biographies, Artikel: Erlanger, Herbert Justin, https://sites.google.com/a/numismaticmall.com/www/encyclopedic-dictionary-of-numismatic-biographies/erlanger-herbert-justin), in deren Verlauf er diese Verbindungen vertiefen konnte. Nach seiner juristischen Staatsprüfung im Jahre 1931 praktizierte er als Anwalt in seiner Heimatstadt (Reinhard Weber, Das Schicksal jüdischer Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, München 2006, S. 274) und erhielt nach einem erfolgreichen Mandat für die Warner Brothers Company von diesem Unternehmen die juristische Vertreterschaft für Europa übertragen. Die politische Lage in Deutschland bewog Erlanger im Oktober 1933 zur Emigration. Für eine Zeitlang übte er seine Tätigkeit als Syndikus des amerikanischen Filmkonzerns von Amsterdam aus, schließlich in Paris. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges siedelte er in die Vereinigten Staaten über. Hier konnte er seine Tätigkeit als Anwalt für die amerikanische Filmindustrie  fortsetzen. Im Auftrag der "Motion Picture Producers and Distributors of America" (MPPDA) respektive der 1945 aus ihr hervorgegangenen "Motion Picture Association of America" (MPAA) war er fortan als Jurist in die internationale Vermarktung amerikanischer Filme involviert. Bereits 1941 erwarb er die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und trat 1942 infolge des Krieges als Freiwilliger in die US-Armee ein, in der er seinen Dienst im Range eines Leutnants auch im besetzten Deutschland leistete. Bald nach Kriegsende konnte er seine vorherige berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen und bis zu seinem Rückzug in den Ruhestand im Jahre 1972 fortführen.
Einige bayerische Kleinmünzen des 19. Jahrhunderts, die ihm sein Vater überlassen hatte, führten bei Erlanger schon im jugendlichen Alter zur Infektion mit dem "virus numismaticus", der ihn bis zu seinem Ableben nicht losließ und ihn zu einem Kenner der numismatischen Zeugnisse seiner Heimatstadt Nürnberg, der Arbeiten der dort wirkenden Stempelschneider sowie der Münzgeschichte der damaligen Reichsstadt und des Fränkischen Reichskreises werden ließ. Die Numismatik spielte im Privatleben dieses lebenslang unverheirateten, kinderlosen Mannes eine wichtige Rolle. Schon in den Dreißiger Jahren erwarb er die Mitgliedschaft im New York Numismatic Club, wurde er 1939 in die American Numismatic Association aufgenommen, 1940 in die American Numismatic Society, wo er zunächst als assoziiertes Mitglied eintrat und 1941 zum Fellow gewählt wurde. In die der Bayerische Numismatische Gesellschaft trat er als korrespondierendes Mitglied ebenfalls ein. Im Laufe seines Lebens baute er eine bedeutende Sammlung Nürnberg auf, die wohl umfangreichste und zugleich qualitätvollste mit Münzen, Medaillen, Marken und Zeichen der Reichsstadt, die bisher auf den Markt gekommen ist. Seine Passion ließ Herbert Justin Erlanger auch als numismatischer Fachautor in Erscheinung treten. Neben Beiträgen, die bereits in den Jahren seines beruflichen Engagements erschienen, u.a. in einschlägigen amerikanischen und deutschen Fachzeitschriften (The Numismatist; Museum Notes; Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte)erstellte er mehrere monographische Arbeiten (Origin and Development of the European Prize Medal to the end of the XVIIIth Century, Haarlem 1975; Die Reichsmünzstätte in Nürnberg, Nürnberg 1979; Nürnberger Medaillen, 1782-1806, Nürnberg 1985).